»Nun sehn Sie, und dann werden sie dort von ihren Landsleuten — denn der Amerikaner ist nicht halb so schlimm — die sich das richtig zu Nutze zu machen wissen, tüchtig über's Ohr gehauen, und müssen gewöhnlich gerade noch einmal so viel bezahlen, als die Sachen eigentlich kosten.
»Aber es soll doch eine »Deutsche Gesellschaft« drüben in Neu-York sein,« sagte jetzt Brauhede, der zum ersten Mal bei der ganzen Verhandlung den Mund aufthat — »die sich eben der Deutschen annimmt und Nichts dafür verlangt.«
»Leben wollen wir Alle,« sagte Herr Weigel achselzuckend — »umsonst ist der Tod, und daß die Leute, wenn sie ihre Zeit darauf verwenden für die Deutschen zu sorgen, auch etwas dafür nehmen werden, läßt sich wohl an den fünf Fingern abzählen. Neu-York ist aber ein theures Pflaster, die Leute brauchen dort mehr wie wir hier, und wer es daher billiger thun kann ist auch wieder leicht einzusehn. Ich will mich auch keineswegs empfehlen; lieber Gott es giebt noch eine Menge Leute in Deutschland, die sich demselben schwierigen und undankbaren Geschäft unterzogen haben wie ich, und die es sich vielleicht eben so sauer werden lassen gerade und ehrlich durch die Welt zu kommen; aber Einen der es besser meint dabei, werden Sie wohl schwerlich finden, und ich [pg 123]überrede gewiß Niemanden nach Amerika auszuwandern. Jeder Mensch muß seinen freien Willen haben, und auch am Besten selber wissen was ihm gut ist.«
»Ne gewiß,« sagte Menzel — »da habt Ihr ganz recht, das ist auch mein Grundsatz; aber das mit dem Amerika leuchtet mir auch ein, und umsonst thut da gewiß Niemand etwas — das sind verflixte Kerle da, hab' ich mir sagen lassen, besonders die Deutschen, und wo die nicht wollen gucken sie nicht 'raus.«
»Also die Billete kann man hier bei Euch kriegen?« sagte Müller.
»Wohin Sie wollen, und ich stehe Ihnen dafür daß sie nicht allein ächt sind, sondern daß die hier in Deutschland gelösten Plätze auch noch den Vorrang haben vor allen in Amerika genommenen, wenn einmal Eisenbahn oder Dampfboote zu sehr besetzt sein sollten. Es ist ja hier gerade so mit der Post, wo Die, die sich zuerst, und auf der längsten Station haben einschreiben lassen, den Vorrang behalten müssen vor denen die nachher kommen.
»Ahem, das ist klar,« sagte Menzel; »na also da dächt' ich ließen wir uns gleich einmal Plätze belegen und gäben das D'raufgeld, damit wir die Sache richtig hätten, und nachher können wir ja einmal über die Farmen sprechen; ich habe verwünschte Lust.«
»Du, das hat noch Zeit,« sagte aber jetzt Brauhede wieder, Menzel am Rocke zupfend; »erst müssen wir es uns doch einmal mit den Anderen zu Hause überlegen.«
[pg 124]»Wenn aber nachher die Plätze auf dem ganz guten Schiffe fort sind,« sagte Müller mit einem sehr bedenklichen Gesicht.
»Ja, stehen kann ich Ihnen nicht dafür,« versicherte Herr Weigel die Achseln zuckend, daß sie beinah seine Ohrläppchen berührten.