»Das könnt Ihr aber nicht auf's gerathewohl nennen, wo wir alle Tage Briefe von drüben herüber bekommen, von denen einer immer besser lautet als der andere. Da — hier liegt gleich einer, der letzte den ich bekommen habe, wo ein Deutscher, den ich selber hinüberbefördert, und dem es jetzt ausgezeichnet gut geht, an mich schreibt, und ein oder zwei gute gelernte Schaafknechte haben will; lesen Sie einmal den Brief.«
[pg 131]Leupold legte seine Mütze wieder hin, nahm den Brief und las ihn aufmerksam durch; er nickte dabei mehrmals mit dem Kopf, und sah dann wieder zu dem Agenten auf, der ihn indessen mit einem triumphirenden Lächeln betrachtet hatte.
»Nun?« frug der Letztere, als Jener das Schreiben beendet und wieder zusammenfaltete — »wie klingt das?«
»Sehr gut« sagte Leupold leise, »aber — es hilft mir doch Nichts. Wenn ich jetzt mein kleines Häuschen, das ich mir mit Mühe und Noth zusammengespart und aufgebaut, auch verkaufen wollte; fände ich erstlich keinen Käufer, und dann bekäm ich auch das nicht dafür wieder, was es mich selber gekostet; wie gesagt, der Sperling in der Hand ist doch wohl besser wie die Taube auf dem Dache.«
»Bah, Taube,« sagte Herr Weigel mürrisch — »wenn die Taube auf dem Dach eben so fest und sicher sitzen bleibt bis man sie holen kann, wie Amerika ruhig liegt, und auf die wartet die hinüber kommen, so ist sie mir lieber wie ein erbärmlicher Sperling, zum Sterben zu viel, und zum Leben zu wenig; aber — überlegt's Euch — ah da kommt der Briefträger — 'was für mich?«
»Nun guten Morgen Herr Weigel,« sagte der Tischler und wollte sich eben entfernen, während der Briefträger dem Agenten mehrere für ihn gekommene Briefe überreichte.
»Siebzehn Silbergroschen drei Pfennige« sagte er dabei.
»Siebzehn Silbergroschen?« rief Herr Weigel verwundert — »aha da ist ein Amerikaner dabei — halt, wartet noch einmal einen Augenblick Leupold« — da ist vielleicht gleich [pg 132]noch was für uns, und was ganz Neues — wollen gleich einmal sehn was die Leute schreiben. Wahrscheinlich wieder von Jemand den ich hinüber befördert habe, und der sich jetzt bedankt — das kostet aber viel Geld — «
»Apropos Neues,« sagte Leupold, während der Agent den Briefträger bezahlt hatte und seine Papierscheere vom Tisch nahm, den Amerikanischen Brief aufzuschneiden — »haben Sie schon gehört daß gestern Nachmittag bei Herrn Dollinger eingebrochen und für sieben tausend Thaler Gold und Juwelen gestohlen sind?«
»Alle Wetter,« rief Herr Weigel, mit der zum Schnitt ausgehaltenen Scheere in der Hand — »gestern Nachmittag?«