»Mutter!« sagte Anna, warf die Arme um ihren Nacken und küßte sie.
»Und Eduard?« frug Marie.
»Bleibt, wenn er meinem Rathe folgt, noch hier bis er ausstudirt und etwas ordentliches gelernt hat,« sagte der Vater — »wo nicht, hat er seinen freien Willen und mag uns begleiten; sowie er zu Hause kommt werde ich mit ihm sprechen.«
»Aber — « rief Marie — »wer verwaltet unterdessen unser Haus?«
»Wenn wir einmal fort sind von hier,« sagte der Professor ausweichend, »kann uns auch das Haus nichts mehr nützen, und ich werde es verkaufen.«
»Verkaufen? — unser Haus und den Garten?« riefen Maria und Anna fast wie aus einem Munde erschreckt und rasch —
»Unser freundliches Stübchen, wo wir als Kinder gespielt,« setzte Marie traurig hinzu.
»Und die Bäume die Vater alle gepflanzt — die Laube, die wir uns selbst gebaut, und die so schön geworden ist in diesem Jahr,« sagte Anna leise — »verlassen wollt' ich es ja gern, wenn wir Alle gehn, aber daß fremde Menschen jetzt darin hausen sollen, die vielleicht gar nicht wissen wie wir das[pg 173] Alles gehegt und gepflegt und — « ihr Blick fiel in diesem Augenblick auf der Mutter, halb von ihr abgewandte bleiche Züge, und faßte das Blitzen einer heimlich fallenden Thräne. Anna erschrak und wurde todtenbleich — hier lag mehr verborgen als man ihnen gesagt, und heimlicher Gram, heimliche Sorge nagte an der Eltern Herzen, durfte sie die vermehren? Sie schwieg einen Augenblick und sah sinnend vor sich nieder, dann aber Mariens Hand ergreifend sagte sie mit leichterem vielleicht gezwungen fröhlicherem Ton:
»Aber wir wollen nicht klagen; Vater und Mutter wissen am Besten was sie zu thun haben, und was uns gut ist, und dort baut uns Vater dann ein anderes Haus, und wir selber pflanzen uns ein neues Gärtchen, schöner als das unsere hier.«
»Aber ich bliebe hier, wenn ich an Vaters Stelle wäre,« schmollte Marie, »und was wird Herr Kellmann dazu sagen, wenn er es erfährt? der ist so immer gegen Amerika, und hat sich schon oft mit Vater darüber gezankt.«