»Ich bin eben im Begriff einen Verhaftsbefehl gegen ihn auszunehmen,« fuhr Henkel aber indessen fort, »und habe deshalb eine Doppelbitte an Sie. Vor allen Dingen muß ich Sie ersuchen, mit mir zum nächsten Friedensrichter zu gehn und meine Person zu bescheinigen — die Leute kennen mich hier nicht, und Doktor Hückler wartet schon oben in der Straße auf uns zu demselben Zweck; und zweitens möchte ich Sie dringend ersuchen, Ihren Leuten bestimmten Auftrag zu geben, diesen Herrn von Hopfgarten, sobald er zu Hause kommen sollte, nicht wieder fortzulassen, und mir augenblicklich — «
»Zu Hause kommen?« sagte Lobsich vergnügt — »er ist zu Hause — «
»Er ist zu Hause?« rief Henkel überrascht — »beim Essen oben?« —
»Nein, nicht beim Essen,« sagte Lobsich, seufzend nach seiner Flasche hinübersehend, der auf's Neue zuzusprechen ihn jetzt der gerade verkehrt Gekommene verhinderte — »er hatte es furchtbar eilig und ging in sein Zimmer hinauf, ich glaube, einige Papiere zu holen.«
»Wahrscheinlich seinen Reisesack zu packen,« rief Henkel rasch und unruhig, denn Hopfgarten konnte da jeden Augenblick wieder herunterkommen — »ich muß Sie also dringend bitten, mein guter Herr Lobsich, Ihren Leuten ganz bestimmten Auftrag zu geben, diesen Herrn, sobald er vor der Zeit suchen sollte zu entwischen, nicht aus dem Haus zu lassen, bis der Constable hier gewesen ist.«
»Aber erst trinken wir einen, mein guter Herr Henkel — was nehmen Sie?«
»Jetzt nicht, mein lieber Lobsich — nachher so viel Sie wollen — rufen Sie jetzt nur so rasch als möglich Ihren Barkeeper herunter, daß wir keine Zeit versäumen.«
»Der kommt zeitig genug,« sagte Lobsich, nichtsdestoweniger an einer kleinen Klingel ziehend, die dicht an der Thür angebracht war, und sich dann selber wieder vor allen Dingen einschenkend — »also was trinken Sie?«
»Nichts — nichts, ich danke Ihnen herzlich — ich habe keinen Durst,« sagte Henkel, mit raschen ungeduldigen Schritten im Zimmer auf- und abgehend.
»Keinen Durst?« lachte Lobsich — »ist mir doch was Unbedeutendes — gerade wie meine Frau — die hat auch immer keinen Durst — gebe Ihnen mein Ehrenwort, Herr Henkel, die Frau hat nie Durst.«