»Ich habe einen wichtigen Brief für ihn bei mir,« sagte Hopfgarten, der sein Mistrauen doch noch nicht ganz bewältigen konnte, und dem plötzlich ein Gedanke aufstieg, den fraglichen Bruder auf die Probe zu stellen.
»So?« sagte dieser aber vollkommen ruhig, »dann haben Sie wohl Einige von seinen Bekannten im inneren Land gefunden?«
»Einen Mr. Goodly,« sagte Hopfgarten lauernd.
»Kenn' ich nicht,« erwiederte Soldegg kopfschüttelnd, und ohne die geringste Theilnahme zu verrathen, »aber würden Sie die Freundlichkeit haben, auch für mich ein paar Zeilen meinem Bruder übergeben?«
»Recht gern,« sagte Hopfgarten, der doch endlich überzeugt wurde, daß der wirkliche Henkel nie im Stande gewesen wäre diese Rolle so zu spielen, das ganz abgerechnet, daß er nicht den mindesten Grund dazu hatte, »aber mit der Post würde er ihn viel schneller erreichen, denn ich gehe nicht direkt nach New-Orleans zurück.«
»Es wird ihn mehr freuen die Zeilen durch Jemand zu erhalten, der mich persönlich gesprochen hat« sagte Soldegg.
»Das allerdings; wissen Sie seine Adresse?«
»Ich werde den Brief an seine Firma adressiren,« sagte Soldegg — »ist er nicht dort, mag ihn die weiter befördern. Haben Sie aber keine Zeit die aufzusuchen,« setzte er nach einigen Augenblicken hinzu — »so öffnen Sie nur den Brief — ich schreibe ihm keine Geheimnisse — und schicken ihn dann durch die Briefpost an das unten angegebene Haus.«
»Ich sehe ihn jedenfalls« sagte Hopfgarten, »und werde ihn selber übergeben; wann schreiben Sie den Brief?«
»Noch heute Abend — es kann sein, daß ich morgen sehr früh aufbreche.«