»Ach Herr von Hopfgarten — ach Herr Kapellmeister — welch glückliches Zusammentreffen — nein, ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie froh ich bin, Sie endlich einmal wieder zu sehn. Wie geht es Ihnen? — was machen, was treiben Sie — Herr Hamann, darauf müssen wir ein's trinken, bitte meine Herren, was nehmen Sie — ich habe ja überhaupt hier noch eine kleine Kreide stehn —«
»Herr Theobald!« rief Hopfgarten erstaunt aus, den Dichter dabei mit einem flüchtigen Blick, eben nicht zu dessen Gunsten, von oben bis unten messend — »wie kommen Sie wieder nach New-Orleans?«
»Ich? — lieber Gott, wo kommt man nicht in diesem verwünschten Lande hin!« rief Theobald mit einer gewissen Wehmuth aus —
| »Treibt auf wildbewegtem Meere |
| Auch mein schwank-gebrecher Nachen, |
| Dräut mir auch der Wogen Schwere, |
| Soll's mich doch nicht muthlos machen — |
»wo kommt man hier nicht hin? — sag' ich noch einmal — Sie kennen ja die alte Geschichte, bester Baron, »willst Du in meinem Himmel mit mir leben — à la bonheur, aber auf Erden sind alle Kämmerchen vermiethet« — Nichts wie Prosa, Nichts wie gemeine, hausbackene Wirklichkeit, in der das dumme Volk auch nicht einmal eine Ahnung hat, daß ein höher begabter Mensch auch noch mit etwas Anderem arbeiten könnte, als mit Spitzhacke und Schaufel. Arbeiten schreien sie — arbeiten, immer nur arbeiten, und was der Geist dabei thut, rechnen sie nicht, das nennen sie faullenzen. Aber zum Henker mit der Bande, wenn's uns hier nicht länger gefällt, Herr von Hopfgarten, dann gehn wir nach Amerika! und jetzt wollen wir trinken, Herr Hamann hat uns schon die Gläser aufgestellt — bitte, was nehmen Sie?«
»Ich danke wirklich herzlich,« sagte Hopfgarten ablehnend — Theobald sah ihm gar nicht danach aus, als ob er so viele Sechs-Cent-Stücke wegzuwerfen hätte, für Andere zu bezahlen, und zugleich ließ sein ganzes, außergewöhnlich aufgeregtes Wesen auch noch überdieß darauf schließen, daß er schon selber eigentlich mehr wie seine tägliche Quantität getrunken habe — »bitte, erzählen Sie mir lieber, wie es Lobensteins geht, was sie thun und treiben und wie der Professor mit seinen Arbeiten vorwärts rückt.«
»Bah — so viel für den Professor,« rief Theobald mit einer wegwerfenden Bewegung — »ein Schwachkopf, der sich einbildet, von Landwirthschaft und Poesie gleich viel zu verstehn, und wirklich gleich viel davon versteht. Er ist ruinirt, und Eduard, der große Nimrod, hat sich auf der Jagd todtgeschossen —«
»Heiland der Welt,« rief Hopfgarten entsetzt aus, »das ist ja furchtbar, und Sie erzählen das hier, als ob Sie die Leute nicht das Mindeste angingen.«
»Thun Sie auch nicht,« sagte Theobald ruhig — »wenn Jemand Verbindlichkeiten gegen den Anderen hat, so ist es der Professor gegen mich; ich habe ihm meine Kräfte nicht allein, ich habe ihm auch meinen Geist geliehen; aber die Rathschläge, die ich ihm gab, konnten ihn nur noch eine Zeit lang über Wasser halten — sein eignes Gewicht zog ihn in die Tiefe.«
»Und was ist aus ihnen geworden?« frug Hopfgarten.