»Oh sie sind für jetzt wohl noch, so viel ich weiß, in Indiana,« sagte Theobald, »der Professor wird jedoch jedenfalls gezwungen sein, seine Farm zu verkaufen, weil er Schulden hat, die er nicht tilgen kann. Aber kommen Sie, meine Herren, kommen Sie, der Brandy wird kalt.«

Auch Eltrich suchte sich von der Einladung loszumachen, Theobald drang aber auf das Ungestümste in sie, und da es in Amerika für eine Beleidigung gilt, mit Jemand, von dem man eingeladen wird, nicht zu trinken, traten die beiden Männer, um ihn nur loszuwerden, mit ihm an den Schenktisch.

Die Gläser waren gefüllt und Hopfgarten wie Eltrich hoben sie mit einem höflichen Nicken gegen den jungen Mann, der mit einer hochtragischen Bewegung, den Arm ausstreckend, rief:

»Halt! nicht also dürfen wir, verehrte Gönner und Freunde, die edle Gottesgabe unseren Kehlen zusenden. Der Geist verlangt Geist:

So fließe denn dieser edle Trank,
Ein perlender Tropfen Himmelsthau,
Als Weiheopfer, als Gottes Dank,
Den schönen Augen der schönsten Frau.
Wie er zittert im Glase, wie funkelndes Blut —
Sie, deren Bild uns im Herzen ruht
Lebe hoch!«

»Lebe hoch!« stimmte Eltrich gutmüthig mit ein, indem sie ihre Gläser leerten.

»Also Sie haben auch ein paar schöne Augen?« lachte der Kapellmeister, »die Ihnen im Herzen ruhn? sollt' ich sie am Ende kennen? — an Bord ging einmal ein unbestimmtes Gerücht —«

Theobald wandte den Kopf von ihm fort, und streckte den Arm abwehrend aus:

»Tief begraben hier drinnen da ruhet ihr Bild,
Da ruht mit dem Bild auch der Namen,
Ein düsterer Schleier decket das zu —
Ich bin zu dem Bild nur der Rahmen —

aber apropos« — wandte er sich dann rascher und lebhafter plötzlich an den Kapellmeister — »ich habe ein paar prächtige Lieder für Sie zum Komponiren, lieber Eltrich — ich weiß, daß Sie in neuerer Zeit einige Lieder von Heine und Freiligrath reizend in Musik gesetzt haben, das sind aber natürlich nur immer gerade zufällig passende Sachen, die Sie sich in Ermangelung eines Besseren heraussuchen mußten. In den meinigen werden Sie Deutschen Geist in Amerikanischer Hülle finden, etwas Passendes, Zeitgemäßes, mit dem Sie, wie ich fest überzeugt bin, Ihre Hörer entzücken können, und ich bin gern erbötig, Ihnen nicht allein die Wahl zwischen einigen fünfzig vortrefflichen Sonetten zu gestatten, sondern Ihnen auch das Stück der ausgewählten mit zwei Dollar zu überlassen.«