»Sie sind sehr gütig, lieber Theobald,« sagte Eltrich, verlegen, wie er das Anerbieten abweisen sollte, und doch auch wieder zu gutmüthig, geradezu nein zu sagen. »Sie werden mir erlauben, daß ich die Sachen einmal gelegentlich durchsehe, denn in der nächsten Zeit bin ich zu sehr mit andern Sachen beschäftigt, an irgend eine Composition denken zu können —«

»Oh gewiß — gewiß,« rief Theobald rasch — »aber — mit dem Lesen, wissen Sie, ist es eine unangenehme Sache; ich weiß zu gut, wie ungern Leute Manuscript lesen, und wie verschieden sich auch etwas im Manuscript und Vortrag ausnimmt. Wie wäre es also, wenn Sie mir jetzt ein halbes Stündchen gönnten, und ich Ihnen die Kleinigkeit —« er holte dabei ein etwa daumenstarkes, sehr eng beschriebenes Manuscript aus der Tasche — einmal hier flüchtig vorläse; es würde —«

»Lieber Eltrich,« drängte Hopfgarten, »wir müssen hinaufgehn, es wird die höchste Zeit, wenn wir Frau Hamann noch heute Abend mit fortnehmen wollen, und Sie wissen, ich habe wichtige Sachen mit ihr zu besprechen.«

»Sie haben recht,« rief Eltrich — »wir müssen uns wahrhaftig heute entschuldigen, Herr Theobald — wenn Sie mir später das Manuscript vielleicht einmal anvertrauen wollen, so würde ich —«

»Ich werde mir selber das Vergnügen machen, es Ihnen in Ihrer eigenen Wohnung vorzulesen,« sagte Theobald rasch entschlossen — »zu welcher Zeit trifft man Sie am Besten?«

»Es ist jetzt sehr unbestimmt,« sagte Eltrich, den ungeduldigen Winken Hopfgartens nachgebend und seinen Hut nehmend — »vielleicht einmal Nachmittags — also auf Wiedersehn, Herr Theobald —«

»Auf Wiedersehn, lieber Kapellmeister — auf Wiedersehn Herr von Hopfgarten.«

»Gott sei Dank, daß wir den schrecklichen Menschen los sind,« sagte Hopfgarten, als sie durch den dunklen Gang, der im Hause hin zur nach oben führenden Treppe gingen, »der wäre im Stande gewesen und hätte uns die halbe Nacht seine faden Mondscheinergüße vorgelesen. Aber — alle Wetter, Eltrich — hier ist's dunkel — kennen Sie den Weg?«

»Ja — ich bin freilich nur erst einmal Abends hier oben gewesen, und da dächt' ich, hätte eine Laterne auf der Treppe gebrannt; aber kommen Sie nur — hier ist das Geländer — fassen Sie mich an — so — sehn Sie? — hier steigen wir hinauf, und nun weiß ich auch Bescheid, denn gleich oben an der Treppe, zwei oder drei Schritt an der rechten Seite, ist die Vorsaalthür, die zu dem alten Hamann führt.«

»Es soll nicht besonders mit ihm gehn,« meinte Hopfgarten.