Die Karte steckte Hopfgarten zum Andenken ein, die Bücher warf er fort.
Und Ledermann kam noch immer nicht — es war schon fast drei Viertel auf elf, und Hopfgarten ging wie auf Kohlen, in Angst und Ungewißheit, den Strahlen der heißen Sonne ausgesetzt, an der Landung auf und ab.
»Gott der Gerechte, der Herr Baron,« redete ihn da plötzlich eine Stimme an, und als er sich rasch danach umdrehte, stand ein Mann, augenscheinlich ein Israelit, von dessen Gesicht Hopfgarten aber keine Ahnung hatte, in einem dunklen, anständigen Rocke, mit einem kleinen Strohhute auf, vor ihm, und machte ihm eine tiefe Verbeugung; der Mann mußte aber jedenfalls sehn, daß ihn der Herr, den er angeredet hatte, nicht erkannte und er fuhr lächelnd fort:
»Gottes Wunder — hob' ich mich denn gar so sehr verändert, daß so an lieber Herr anen alten Raisegesellschafter sollte vergessen haben. Kennen Sie den Veitel Kochmer nicht mehr?«
»Veitel Kochmer? — nein —«
»Kennt den Veitel Kochmer nicht mehr;« lachte der Alte, mit dem Kopf dabei schüttelnd — »den Mann mit der Holzharmonika, dem Sie an Concertchen zusammengebracht haben an Bord, als an guter und freundlicher Herr.«
»Veitel Kochmer,« rief Hopfgarten, sich jetzt des Namens entsinnend, »ja Euch hätte ich allerdings nicht wieder erkannt — Ihr seht ganz anders aus — tragt den langen Bart nicht mehr und den Kaftan — es geht Euch gut?«
»Gott soll gedankt sein, ja.«
»Und Euer Sohn —«
»Mai Sohn? — wie haißt mai Sohn —« sagte der Mann, ungeduldig den Kopf schüttelnd — »das Jüngelche, was ich bei mer hatte, mit die hibsche Stimme — wenn's ane bessere Lunge und a schlechtere Stimme gehabt hätte, lebt es noch.«