»Ihr habt ihn sich todt singen lassen,« sagte Hopfgarten ernst.

»Ich hab' ihn sich todt singen lassen? — wie haißt? — soll sich die Lunge beim Magen beschweren — der Eine arbeitet mit die Händcher, der Andere mit die Lunge, aber Alle arbeiten mer um ze leben, ze essen un ze trinken, und an Rock auf dem Leib ze haben — hob ich en nich acht Wochen gepflegt, als ob er mai Sohn gewesen wäre, und stirbt er mer nich zuletzt wie zum Possen? — Soll mer Gott helfen, als ich nich hob' Schaden gehabt an dem Jüngelche. — Aber Herr Baron — kennten wir zwei Beide nich a klanes Geschäftche zesammen machen; hob' ich was ganz Extraes von gute Staincher, vor solch einen fürnehmen Herrn, wie der Herr Baron.«

»Ich danke, lieber Kochmer, ich brauche Nichts in der Art,« sagte Hopfgarten, wieder nach seiner Uhr sehend, »kann mich auch augenblicklich gar nicht damit befassen — haben Sie eine Uhr bei sich?«

»Ja wohl, Herr Baron — werd' ich ka Ürche haben, un a Staatsürche is es,« fuhr er fort, eine goldene Cylinderuhr aus der Tasche nehmend, »geht se doch um drei Minuten besser wie die Sonne — s' ist gerade sieben Minuten über dreiviertel auf elf — kennten wir damit vielleicht en Handelche machen?«

»Ich danke wirklich — ich habe selber eine ganz gute Uhr und brauche keine, wollte auch nur sehen ob die meinige richtig ginge.«

»Wenn Sie die Staincher emol sähen, würden Sie Appetit kriegen — se sain zum 'Reinbeißen,« fuhr aber Veitel, nicht so leicht abgewiesen, in seinem Anpreisen der Juwelen fort, »hob ich die Musik doch jetzt ganz an den Nagel gehängt un mich auf die Staincher gelegt. Wer die Sache versteht ist's a solides, prächtiges Geschäftge hier in Amerika — wenn mer sai Zeit kann abpasse.« Und er nahm dabei ein kleines Etui aus seiner Brusttasche, das er öffnete und dann, den Kopf schräg zur Seite davon zurückhaltend, die Sonnenstrahlen auf die wirklich schönen Steine, die in tausend Lichtern funkelten, wieder fallen ließ.

Hopfgarten hatte indessen die Levée auf und abgesehn, den so sehnlich Erwarteten endlich irgendwo zu erspähen, aber vergebens; Ledermann ließ sich nirgends blicken und der Zeiger seiner Uhr, den er ungeduldig und ununterbrochen fragte, schien nicht von der Stelle zu rücken.

»Ich danke Euch Veitel — ich brauche wirklich Nichts der Art,« sagte er zerstreut, »trage weder Ringe noch Tuchnadeln, und muß hier im Lande auf- und abreisen, wo man solche Sachen am allerwenigsten bei sich führen kann.«

»Aber so sehn Sie nur emol die Pracht an,« drängte Veitel.

»Ja, sehr schön — wirklich brillant,« sagte Hopfgarten, einen flüchtigen Blick darauf werfend, und dann durch das Feuer derselben doch verlockt sie aufmerksamer zu betrachten; »sehr schöne Steine in der That, aber wie gesagt, Nichts für mich.«