»Ich habe« sagte er zu dem erstaunt ihn ansehenden driver »meine volle Passage noch dazu bis Vincennes bezahlt; ich bin jetzt, den halben Weg fast, zu Fuß gelaufen — nicht das allein, ich habe auch mein Gepäck geschleppt, und gearbeitet wie ein Pferd den verwünschten Kasten in Gang zu halten. Ich bin dabei erbötig weiter zu marschiren und mein Gepäck selber zu schultern — aber die verdammte Stange trag ich keinen Schritt mehr!« und das Holz dem Mann vor die Füße werfend, stiefelte er ruhig weiter durch den Schlamm.

Die Situation hatte viel komisches, und ein paar Leute lachten, das Wetter war aber doch zu entsetzlich irgend etwas gerade sehr spaßhaft zu finden. Die kleine Caravane hatte sich indessen eben wieder in Bewegung gesetzt, als Hopfgarten zu ihrer Linken ein Licht durch die Bäume schimmern sah, einen der Mitpassagiere darauf aufmerksam machte, und ihn frug, ob er wisse wer da wohne.

»Oh hol's der Teufel« brummte der Mann, »dort können wir nicht bleiben, das ist ein wüster Ort, mit dem Niemand gern Verkehr hat.«

»Wie so?« frug rasch der Deutsche, neugierig gemacht durch die Bemerkung.

»Ein alter Jude wohnt dort mit seiner Mutter« sagte der Amerikaner, einen scheuen Blick nach dem Licht hinüberwerfend, »und handelt am Tag in der Gegend herum; die Leute sagen auch er hätte eine Masse kostbarer Waaren bei sich aufgehäuft, wo er die aber her und womit er sie bezahlt hat weiß kein Mensch, und es mag auch Niemand seine Schwelle betreten.«

Der Mann schritt weiter; während das Wetter aber immer wüthender wurde, der Regen immer toller niederpeitschte und der Sturm in den Baumwipfeln raste, als ob er die alten Riesenkronen, die ihm Jahrhunderte getrotzt, bei dem Armvoll niederwerfen wollte, zog sich der Weg wieder in eine Niederung hinab, in der sie bis an die Knie fast in Schlamm und Morast waten mußten. Das Licht kam dabei näher, obgleich man deutlich unterscheiden konnte daß es links etwas von der Straße ab lag und Hopfgarten, an solche Beschwerden nicht gewöhnt, und mit der Möglichkeit ihnen zu entgehn vor sich, beschloß endlich mit seinem Gepäck, das er ja überdieß auf dem Rücken trug, querfeldein auf das Haus zuzugehn, und die Gastfreundschaft der Leute, mochten sie sein was sie wollten, für diese Nacht in Anspruch zu nehmen. Morgen fand sich dann schon Gelegenheit weiter zu kommen, oder er gab auch seine ganze Reise nach Vincennes und von da mit der Post weiter nach St. Louis auf, und kehrte auf dem nächsten Weg nach dem Ohio zurück — er hatte das Postfahren satt bekommen.

Der eine Farmer rieth ihm allerdings, als er den Entschluß hörte gar eifrig ab, und tröstete ihn damit, daß sie höchstens noch fünf Miles bis zum nächsten Wirthshaus hätten; Hopfgarten war aber fest entschlossen seinen einmal gefaßten Plan auszuführen, unangenehmere Gesellschaft konnte er dort auch nicht finden, und da die Leute noch Licht hatten, also auch folglich noch auf waren, würden sie ihm doch wenigstens einen Platz am Feuer nicht versagen. Ohne sich also weiter an die Übrigen zu kehren, und Postkutsche nebst Passagieren ihrem Schicksal überlassend, wandte er sich links ab dem Lichte zu, und kam nach etwa viertelstündigem Wandern, wobei er die Post noch immer konnte durch den Schlamm rasseln und sogar das Fluchen der Passagiere hören, an eine niedere Fenz, die er mit einiger Mühe überkletterte. Er war durch die Anstrengungen der Nacht und die naßkalte bösartige Witterung ordentlich steif und gelenklos geworden, und konnte kaum hinüberkommen.


FUSSNOTEN — FOOTNOTES

[1]: Die Amerikanische Nachtschwalbe, ihres leise klagenden Rufs wegen, der ganz diesen Worten ähnlich klingt, Whippoorwill genannt.