»Selten, aber doch wohl manches Mal.«

»Und läßt Dich mit den Leuten hier ganz allein?«

»Mit den Leuten, Amalie?« sagte die Schwester leise und mit einem halb verlegenen halb schmerzlichen Lächeln zu ihr aufschauend — »wir leben hier einfacher als Ihr daheim zu glauben scheint. Der Wald erzeugt wenig Bedürfnisse, und den wenigen zu begegnen sind wir selbst genug — wir halten keine Leute.«

»Keine Leute für das Feld?« rief Amalie erstaunt — »und Dein Mann bestellt das Alles allein?«

»In der Arbeitszeit nimmt er sich manchmal einen Mann herüber ihm zu helfen« sagte die Frau — »aber komm Amalie, komm in das Haus; die Herbstsonne sengt Dir noch die Haut, und Du wirst müde von der Reise sein; auch mußt Du mir erzählen wie und mit wem Du hierher gekommen, mitten auf oakland grove allein und ordentlich aus dem Boden herausgewachsen. Wie ich Dich so da vor mir stehen sah, glaubt ich wahrhaftig erst, ich sähe Deinen Geist — aber Du wirst Dir Dein Kleid verderben, hier bei uns.«

»Warum verderben?« lachte Amalie unter zurückgehaltenen Thränen vor, als sie die dünne, fast durchsichtige Hand der Schwester faßte und ihren Arm um ihre Schulter legte, sie zum Haus zu führen, »und wenn es wäre, ist es ja doch für die Reise bestimmt.«

Sie hatten sich indeß der Thür genähert, und Sidonie streckte den Arm aus sie zu öffnen — aber der Arm zitterte, zögerte, und der Schwester Hand ergreifend und sie plötzlich fest, fast krampfhaft in die ihre pressend, sagte sie mit wie von innerer Bewegung erstickter hastiger Stimme:

»Amalie — meine Heimath ist nicht das was Du, trotz des ärmlichen Aussehns zu erwarten scheinst — wir leben einfach — fast ärmlich, wie der geringste Waldbewohner im weiten Reich — Du wirst — Du wirst Dich nicht wohl hier bei uns fühlen — kannst es nicht, denn der Abstand aus dem Leben das Du gerade frisch verlassen ist zu groß — zu — furchtbar — für Dich heißt das nur — für den nicht daran Gewöhnten, während wir es nicht besser wissen nicht besser — verlangen.«

»Sidonie, um des Heilands Willen, was ist hier vorgegangen?« rief Amalie in Todesangst, »was verheimlichst Du mir? was soll die Vorbereitung jetzt bedeuten?«

»Nichts, Amalie« sagte die Frau jetzt schon gefaßter, »als Dich eben, wie Du es nennst, vorbereiten, auf ein wildes, ungewohntes, und wie Du es ja in Deinen Briefen mir so oft beneidet, ein — romantisches Leben. Schrick aber nicht davor zurück — unter der rauhen Außenschaale birgt es doch noch oft den süßen Kern, und hunderte von Familien leben hier im Wald gerad' wie wir, und glücklich — und zufrieden.«