»Kann ich mir lebhaft denken« betheuerte der Scheerenschleifer, sein Gesicht in einen förmlichen Knoten zusammendrückend — »kann ich mir lebhaft denken — ist auch eine recht passende Beschäftigung für einen Pastors-Sohn.«
»Schadet Nichts Maulbeere« lachte aber der junge Mann, »nur ehrlich und rechtschaffen gehandelt und sich sein Brod selber erarbeitet, auf das Übrige kommts dann nicht an; ob ich einen Frack oder ein Schurzfell trage, und durch komm' ich, darauf können Sie sich verlassen, so lange mir Gott meine Gesundheit und meine gesunden Glieder läßt. Übrigens sind noch ein paar Bekannte von Ihnen hier an Bord« setzte er rasch hinzu — »Carl Berger, der Deserteur, und Herr Schultze aus Hannover.«
»Auch Feuermann?« rief Maulbeere rasch und erstaunt.
»Der erste ja, der letzte nicht« lachte Georg Donner — »sollte sich nicht übel mit der Schürstange ausnehmen, und würde das Feuern wohl kaum vierundzwanzig Stunden aushalten; er geht als Passagier, glaub' ich, nach St. Louis.«
»Hm« brummte Maulbeere vor sich hin — »alle Welt geht fort von hier; wenn ich wüßte daß es im Lande besser wäre, schöb ich meinen Karren auch an Bord.«
»Scheeren und Messer wird's überall zu schleifen geben« sagte Donner.
»Die Möglichkeit ist vorhanden daß ich mir in Zukunft meine eignen Messer schleifen lasse,« sagte Maulbeere.
»Oho?« rief Donner verwundert aus, »ja wenn Sie solche Pläne haben, Freund Scheerenschleifer, dann ist doch wohl New-Orleans der beste Platz, galopirende Speculationen rasch zur Ausführung zu bringen; ich wüßte übrigens eine für Sie.«
»Eine Speculation? — und die wäre?«
»Haben Sie die riesenhaften Ankündigungen von Stiefelwichse gesehn, die überall in der Stadt an den Straßenecken kleben?«