»Allerdings — wo sich der Neger vor dem Stulpenstiefel rasirt« feixte Maulbeere, dem die Idee ungemein gefallen.
»Dieselbe!« lachte Donner, »wenn Sie Ihren Stiefeln im Stande sind halb den Glanz zu geben den das Schultertheil Ihres Rockes hat, so ist Ihr Glück gemacht.«
»Hören Sie einmal mein lieber Herr Donner« sagte aber jetzt Maulbeere gereizt, und mit einem fast boshaften Lächeln in den entsetzlich häßlichen Zügen — »wenn Ihre Feuer nicht besser scheinen werden als Ihr Witz, so glaub' ich, käm' ich eher mit meinem Schiebkarren nach St. Louis hinauf, wie Sie mit Ihrem Dampfboot — wer weiß ob mein blanker Rock nicht noch länger hält als Ihr blaues Hemd, und Sie im nächsten Winter nicht vielleicht Gott danken würden, einen so warmen Überzieher zu haben.«
»Frieden, würdiger Greis, Frieden« lachte der junge Mann, »die Bemerkung war keineswegs böse gemeint und sollte Sie nicht beleidigen — im Gegentheil hab' ich sogar eine Bitte an Sie, mir nämlich über ein paar junge Leute von unserem Schiff Auskunft zu geben, die Sie gewiß nicht, wenigstens trau' ich das Ihrem Scharfblick kaum zu — aus den Augen verloren haben.«
»Und die wären?« — sagte Maulbeere immer noch mistrauisch den jungen Burschen dabei betrachtend.
»Was ist aus dem Doktor Hückler geworden?« sagte dieser — »ich habe ihn nicht wieder gesehn, seit er an jenem ersten Landungsabend unser Schiff verließ.«
»Wohnt jetzt in —— street« sagte Maulbeere, »führt ein großes Schild über der Thür J. A. Hückler, deutscher Doktor und Geburtshelfer« schmunzelte Maulbeere — »und rechts und links an dem Schild hat er sich ein paar große schwarz-roth-goldene Kokarden malen lassen.«
Georg Donner lachte.
»Der wird sein Brod schon hier finden« sagte er achselzuckend, »wer kann's ändern; vielleicht haben die Leute recht, die da behaupten, in Amerika wollten die Menschen betrogen sein.«
»Vielleicht haben sie recht,« brummte Maulbeere vor sich hin — »da ist gar kein vielleicht dabei, und wer hier seine Knochen einsetzt, muß gewöhnlich die Haut mit in Kauf geben — ich gedenke hier Gerber zu werden — aber nach wem wollten Sie noch fragen?«