»Ja mein lieber Herr Theobald,« sagte da der kleine Redakteur, sich wie verlegen die Hände reibend, und die Schultern hinaufziehend, »da sind Sie allerdings gleich auf den wundesten Fleck gekommen.«
»Nicht wahr?« rief der Dichter erfreut.
»Ja wohl, ja wohl, aber — «
»Aber?« —
»Das ist eine Geschichte,« setzte Herr Rosengarten hinzu, »an der wir uns nicht die Finger verbrennen dürfen.«
»Die Finger verbrennen? — ich verstehe Sie nicht — haben Sie mir nicht selbst gesagt daß Sie hier vollständig freie Presse — «
»Ja, vom Staat aus,« unterbrach ihn der Redakteur, »aber was will ich machen, wenn mir ein Haufen zügellosen Gesindels hier in meine Officin bricht, meine Pressen zerstört, meine Buchstaben aus dem Fenster wirft, und mich selber mishandelt oder gar todt schlägt?«
»Aber ich bitte Sie um Gotteswillen, so etwas kann doch in einem gesetzlich organisirten Staat nicht vorkommen?«
»Kann nicht vorkommen,« wiederholte Herr Rosengarten achselzuckend, » ist aber vorgekommen, und zwar schon diverse Male in den civilisirtesten Staaten, in Philadelphia und New-York, in Cincinnati und hier selbst in New-Orleans. Lassen Sie hier Jemanden leichtsinnig, oder ich möchte fast sagen wahnsinnig genug sein den Beinamen Abolitionist zu verdienen, und er wird finden daß es etwa denselben Erfolg hat, als ob man irgend einem ausreißenden Köter das Wort »toller Hund« nachruft; wer irgend etwas Werfbares in der Geschwindigkeit aufraffen kann, wirft es nach ihm, und haben sie ihn dann todt geschlagen, geben sie sich vielleicht die Mühe sich zu erkundigen ob er auch wirklich toll, oder was hier dasselbe sagen will, ein Abolitionist gewesen.«
»Aber das können sie ja dann doch keine freie Presse nennen?« rief der Dichter in Verzweiflung aus.