»Warum nicht?« sagte Herr Rosengarten achselzuckend, »wir dürfen über Alles schimpfen was vorkommt. Lesen Sie die verschiedenen Zeitungen der Gegenparthei bei einer Präsidentenwahl, und sein Sie versichert daß Sie glauben würden der Candidat für diese erste Würde der Vereinigten Staaten verdiene eher lebenslängliche Zuchthausstrafe, als den Ehrensitz im weißen Hause zu Washington, so wird über ihn los gezogen. Alle unsere Institutionen dürfen Sie angreifen, jede Magistratsperson nach Herzenslust, natürlich vorausgesetzt daß Sie sich außer dem Bereich einer Privat-Injurienklage halten, und Sie werden durch Niemanden darin beschränkt werden.«

»Nur nicht die Sclaverei darf man bei ihrem Namen nennen?« rief Theobald in gereizter Bitterkeit.

»Beileibe nicht,« sagte der Redakteur, »das ist der wunde Punkt der südlichen Staaten, die recht gut wissen welchen Makel sie dadurch auf sich haften haben, aber auch nicht Aufopferung genug besitzen ihn mit einem Schlage von sich abzuschütteln, und nun ängstlich wachen daß Niemand an die schon so oft berührte und allerdings etwas schadhaft gewordene Geschichte stößt, sie nicht am Ende doch einmal über den Haufen zu werfen. Aber lassen Sie das gut sein, damit werden Sie, nur erst einmal ein halbes Jahr bei uns, schon noch vertrauter werden, und dann wohl einsehn wie recht ich heute habe Ihnen das zu sagen. Für jetzt zeigen Sie mir einmal was Sie sonst noch — das heißt nicht die Sclavenfrage, selbst nicht im Gedicht berührend — bei sich haben, und wir wollen dann sehn was wir davon gebrauchen können. Ich weiß schon, junge Schriftsteller wünschen ihre Sachen gern gedruckt zu haben, und man muß sie darin unterstützen.«

»Sie sind unendlich freundlich, bester Herr Doktor, Herr Rosengarten wollte ich sagen — aber sollte es denn gar nicht möglich sein auf irgend eine Weise gerade dieser Frage beizukommen?«

»Thun Sie mir den einzigen Gefallen und bleiben Sie mir mit allen solchen Sachen vom Leibe,« rief aber der Redakteur ganz entschieden, indem er seine Hand in Erwartung des Manuscripts dem jungen Mann entgegenstreckte; »lassen Sie uns sehn was sie sonst haben, und Alles was sich auf Sclaverei etc. bezieht schließen Sie, wenn Sie meinem Rath folgen wollen, so lange Sie sich in irgend einem Sclavenstaat aufhalten, in Ihren Koffer, oder noch besser, stecken es in das erste beste Kamin das Sie erreichen können; da sind Sie sicher daß es Ihnen weiter keine Unannehmlichkeiten über den Hals bringt. Also was haben wir denn hier?« fuhr er, die überreichten Papiere durchblätternd, fort, »ein kleines Bändchen Gedichte.«

»Werden wir in des Lebens Wirren
Manchmal fehlen, manchmal irren,
Oder giebt unsres Sternes Sichtung
Unserem Dasein andere Richtung,
Blüht uns doch in des Herzens Tiefen,
Wo die Gedanken ruhend schliefen,
Neues Gebären, neues Entstehn —
Neues Erwachen — neues Vergehn!«

»Sehr brav — vortrefflich — wirklich neue Gedanken und ganz originell ausgedrückt; hm — da sind ja eine ganze Menge; auch an Amerika —

»Ein Fels im Meere — und doch so warm,
Den Fremden, Bedrückten, politisch Todten
Die helfende Hand und den starken Arm
Gastfrei zu ehrlichem Schutz geboten,
so entsteigst Du dem Meere, so liegst Du da,
Gegrüßt und gesegnet — Amerika!«

sehr brav, ganz vortrefflich — ungemein viel Gefühl — wird meinem Blatt alle Ehre machen. — Und das Andere?«

»Sind kleine Erzählungen, die mir in Deutschland die Censur gestrichen — Dorfgeschichten aus dem Jammerleben der Proletarier — Hofgeschichten aus vorzüglichen Quellen, überall mit den wirklichen Namen, für deren Wahrheit ich Ihnen garantire.«