»Bei Golly,« lachte Einer der andern Feuerleute, ein Neger, der mit zwei andern Landsleuten oder wenigtens doch gleichfarbigen Kameraden, an der Larbordseite des Bootes, das sechs Feuerleute auf Wache hatte, heitzte, »was die Bukras[13] da für Zeug zusammenschwatzen, keine Kuh wird d'raus klug.«
»Aber was der da ineinander gießt werden wir schon verstehn,« schmunzelte der Andere. — »Oh Jimminy das riecht gut.«
Der junge Deutsche hatte indessen die gereichte Schaale halb voll Whiskey gefüllt, dann Kaffee dazu gegossen, fast so viel als das Gefäß halten wollte, und warf nun, mit dem gespaltenen Rohr, mit dem er auch die Mischung ordentlich umrührte, Zucker hinein, es süß zu machen.
»So,« sagte er, als er es erst langsam gekostet, und dann einen tüchtigen Zug gethan, »das wird gut sein — brennt wie Feuer und treibt die Hitze hier von den Kesseln wieder hinaus aus dem Körper. So lange wir das haben, brauchen wir nicht zu fürchten krank zu werden.«
»Ist doch ein wunderliches Leben hier an Bord,« sagte Georg, der ebenfalls einen tüchtigen Zug that, und zurück zu den Kesseln trat, die Scheite, die nur wenige Minuten ruhen dürfen, wieder frisch aufzuschüren, »großer Gott, wenn man bedenkt wie wir von zu Hause gewohnt waren zu existiren, und jetzt dieß Dasein damit vergleicht — und darum nach Amerika;« setzte er langsam mit dem Kopf schüttelnd hinzu.
»Geht es mir besser?« lachte Wolf, der mit Georg Donner, drei Negern und einem Irländer ein und dieselbe Wacht hatte, während Carl Berger ebenfalls mit drei Negern, einem Amerikaner und einem Franzosen feuerte — (die dritte Wacht, die erst um vier an die Reihe kam, war gleich nach dem Holztragen wieder zu Coye gegangen) »geht es mir etwa besser? — wenn Sie meine Geschichte kennten, Georg, würden Sie mehr als einmal den Kopf schütteln über den Wahnsinn, der mich, z.B. hierher über das Meer getrieben.«
»Lieber Gott, es wird die Geschichte von Tausenden von uns sein« sagte Georg — »sehn Sie dort den jungen Burschen an, der sich da kaum auf die Scheite geworfen hat, und schon wieder so sanft und süß eingeschlafen ist, als ob er im weichsten Bette läge; das ist ein deutscher Deserteur, den die Soldaten noch wieder vom Schiff holen wollten, und den der Untersteuermann, wir wissen selbst nicht wie, auf so geschickte Weise versteckt hatte, daß ihn die Policey nicht finden konnte, und ihn aufgeben mußte. Jetzt arbeitet er sich nun tüchtig in's Leben hinein und wer weiß, ob er nicht in einigen Jahren, anstatt die Muskete in Deutschland herumzuschleppen, hier seinen eignen Heerd gegründet hat. Ich selbst — wer hat es mir an der Wiege gesungen, daß ich einmal hier auf dem Mississippi, nachdem ich in Deutschland studirt, die Kessel eines Dampfboots, mit Negern und Mulatten zusammen, heitzen sollte, und doch bin ich jetzt scharf dabei, und noch sogar froh eine derartige, wenigstens lohnende Beschäftigung gefunden zu haben. Kommt Zeit kommt Rath, und nur erst einmal vollkommen der Englischen Sprache mächtig, findet sich dann auch schon etwas anderes, besseres für uns.«
»Das ist Alles recht schön und gut« lachte Wolf, »aber lange nicht so romantisch oder — toll wenn Sie wollen, wie mein eignes Schicksal, das es vielleicht recht gut mit mir gemeint, dem ich aber im wahren Sinne des Wortes durch die Lappen gegangen bin.«
»Die Romantik hat an unserer jetzigen Beschäftigung allerdings nur einen ganz geringen Theil« sagte Donner lächelnd.
»Ja und nein« rief Wolf, seinen Strohhut auf das Holz und seine dunklen Locken mit einer raschen Bewegung des Kopfes aus der Stirn werfend; »auch ich betrachte es als Mittel zum Zweck, und muß, so prosaisch das klingen mag, Geld dabei verdienen.«