»Da ist die Romantik schon zum Teufel« sagte Georg.

»Und doch nicht« rief Wolf, »ja wenn ich es thäte zu leben, aber mein Vater ist reich.«

»Dann begreife ich freilich nicht, weshalb Sie sich hier in den untersten Schichten der Gesellschaft auf solche Art herumtreiben« sagte Georg, »zum Vergnügen doch wahrhaftig nicht.«

»Wäre wenigstens ein wunderbarer Geschmack« lachte der junge Mann, »wüßten Sie aber meine Geschichte, würden Sie mir recht geben.«

»Sie sind jedenfalls aus guter Familie« sagte Georg.

»Meine Freunde in Deutschland — bah, Freunde, das Wort ist zu gut für sie — meine Bekannten in Deutschland würden allerdings nicht sowohl lachen als die Nase rümpfen, wenn sie den einzigen Sohn des Grafen vom Berge hier als Feuermann auf einem Dampfboot, mit Negern aus einer Schüssel essen, in einem Feuer schüren sähen!«

»Aber was um Gottes Willen hat Sie da zu diesem verzweifelten Entschluß getrieben?«

»Die Liebe« lachte der junge Mann, seinen Schürer wieder ergreifend, die kleine Thür oder Klappe öffnend, und mit dem langen Eisen die Scheite durcheinander rührend — »die Liebe, Georg, und die Sache ist ungeheuer einfach und rührend. Ich liebte und liebe ein bürgerliches Mädchen, mein Vater, noch ein ächt Pommerscher Graf von altem Schrot und Korn, drohte mich zu enterben, wenn ich dem Mädchen nicht entsagte, und ich arbeite jetzt daran ihm zu beweisen, daß ein Graf vom Berge keine hinterlassenen Schätze braucht, sich selber einen eignen Heerd zu gründen. In Deutschland wäre mir das nicht möglich gewesen, hier bietet sich die Aussicht dazu. Schon ein Jahr arbeite ich jetzt wie ein Sclave — aber nur um ein ganz kleines Capital zusammenzuhaben; mit harter Arbeit allein wird jedoch Niemand hier im Stande sein rasch Geld zu verdienen, die Speculation muß ihm dabei helfen, und dieß wird deshalb die letzte Reise sein, die ich auf einem Dampfboot mache, dann gehe ich nach dem Westen der Vereinigten Staaten in das Indianische Territorium, dessen Verhältnisse ich schon recognoscirt habe, und fange einen Schweinehandel an. Lachen Sie nicht, das Geschäft ist, wenn richtig betrieben, vortrefflich und wenn ich sieben Jahre, wie Jacob um seine Rahel dienen müßte, ich habe meinen Kopf darauf gesetzt, und setze ihn durch — oder gehe darüber zu Grunde.«

»Und Ihr Vater?«

»Wenn ihm der Sohn mehr am Herzen gelegen als sein Wappenschild, hätte er mich gar nicht ziehen lassen.«