»Ich glaub's« sagte der Bauer schmunzelnd — »ich hatte in Deutschland ein kleines ärmliches Gütchen, das seinen Mann freilich eben nährte, aber ich mußte mich abquälen und plagen, wie ich eben nur hier die beiden ersten Jahre gearbeitet habe, ohne, was vor mich zu bringen. Mein Grundstück fiel dabei eher im Werth als daß es stieg, Abgaben und Steuern, von denen die Herren im Gericht zuletzt gar nicht mehr wußten wie viel sie fordern sollten, eine Masse unnützes Gesindel zu füttern die wir nicht brauchten, die uns aber haben mußten zum Zahlen, und dann noch holzgrob dabei waren, wuchsen von Jahr zu Jahr, und wenn's mir und der Alten auch schwer wurde von daheim fortzugehn, jetzt gereut mich's doch nimmermehr, und ich möchte nicht wieder zurück.«
»Und was haben Sie für Ihre Farm gezahlt?« frug Hopfgarten.
»Viertausend Thaler hab' ich, nach Abzug meiner Passage, mit herüber gebracht« sagte der Mann, »um zweihundert etwa hatten sie mich noch in Deutschland geprellt beim Geldwechseln, und vierhundert bin ich nachher hier an meine Landsleute losgeworden. Für die Farm, mit achtzig Acker Land, und dem Bischen Vieh was drauf war, und den Gebäuden, in denen aber ein Christenmensch gar nicht existiren konnte, zahlte ich dann dreitausend fünfhundert Dollar, zweitausend gleich baar an, und das übrige in jährlichen Raten, und dabei befinde ich mich vortrefflich, denn mit noch eben so viel beinah, was ich jetzt nach und nach hineingesteckt habe, ist der Platz in der Zeit das vierfache werth geworden, und selbst dafür gäb' ich ihn jetzt nicht wieder her. Aber Land genug ist noch hier herum zu bekommen« setzte er dann rasch hinzu, »wenn Ihr Euch etwa hier ansiedeln wolltet. Die Amerikaner, mögen sie einen noch so guten Platz haben, wenn sie einen Profit bekommen, verkaufen Alle aus; einem Amerikaner ist auch Alles feil was er an sich hat. Es sind Euch närrische Kerle, sie verkaufen das Hemd vom Leibe, wenns Einer haben will, die Stiefel von den Füßen, und beim Pferdehandel betrügen sie den eigenen Vater — wenn er nicht selber klug genug ist — ohne daß sie sich gerade, was Böses dabei denken.«
»Hm hm« sagte Hopfgarten nachdenkend vor sich hin, als er mit ihm zum Haus zurückging — » Sie befinden sich nun hier so wohl, Ihnen geht es so gut, und Sie sehen dabei wie sich Alles vorwärts arbeitet und besser wird, und andere Leute klagen wieder über das Land, schimpfen darüber und warnen vor Auswanderung.«
»Das sind die Hungerleider« lachte der Bauer, »ich habe auch schon ein paar Mal solche bei mir gehabt; die kommen herüber und wollen Anstellungen haben, wo sie eben so wenig dabei zu thun brauchen wie in Deutschland, und vom Bauer dabei gefüttert werden, und wenn's damit nachher nicht geht, wenn das Geld alle ist, und die Kosthäuser nicht weiter borgen wollen, dann heißt's »wir müssen arbeiten« und dann kommen sie in Handschuhen heraus und fragen nach »Beschäftigung« wie sie's nennen. Von denen schick' ich aber keinen fort,« schmunzelte er dabei, »die stelle ich nur an einen richtigen Baumstumpf zum Ausroden, und nach drei Stunden haben sie solche Blasen in den Händen, daß sie keine Radehacke mehr heben können. Nachher essen sie bei mir zu Mittag, ziehen ihre Handschuh wieder an, gehen nach Cincinnati zurück und schreiben Bücher über Amerika.«
»Apropos, was ich Sie fragen wollte« rief da Hopfgarten, »Sie haben doch freie Jagd hier überall — schießen Sie viel?«
»Schießen? — ich möchte wissen was« sagte der Bauer — »es giebt ja hier Nichts wie so eine kleine Art Rebhühner, ein Bischen größer wie bei uns die Wachteln, und Kaninchen und Eichkätzchen. Die Eichkätzchen thun im Felde viel Schaden und hinter die machen wir manchmal Feuer, und die Rebhühner fangen wir im Winter in Schneehauben, wie wir's in Deutschland manchmal heimlich gemacht haben; sonst sollte Einer schöne Zeit versäumen, wenn er mit der Flinte draußen herumliefe und meinen Jungen mache ich das schon gar nicht weiß. Ein Bauer der auf die Jagd geht ist immer schon ein halber Lump.«
Hopfgarten mußte noch die neuaufgeführten und in der That trefflich gebauten Scheunen und Ställe bewundern, wohin ihn Rohrberger »den nächsten Weg« über eine frisch geackerte Stürze führte, damit der Fremde doch auch sähe was er für wackere Pferde hätte, und wie brav seine Jungen ackerten, dachte aber dann auch wieder an den Aufbruch, um noch mehr vom inneren Land zu sehn, und seinen Ritt so auszudehnen, daß er wenigstens erst gegen Abend nach Cincinnati zurück kam.
Als er seinen freundlichen Wirthen für ihre Gastfreundschaft gedankt hatte, und in der Thür von ihnen Abschied nahm, kam auch die Alte hinter dem Spinnrad vor, gab ihm die Hand, sah ihm eine Weile scharf und forschend in's Gesicht und sagte dann:
»Ihr seid wohl nicht in der Gegend von Sohlfeld zu Hause?«