Auswanderer, vorzüglich die in den Hotels wohnenden, haben meist immer noch eine Menge »deutsches Geld« in den Taschen, das sie, wie sie sagen »doch nicht mit auf das Schiff nehmen können« und sind gewöhnlich sehr freigebig mit dieser kleinen Münze, so lange sie eben dauert. Sehr zu ihrem Erstaunen müssen sie dann aber auch freilich nicht selten schon eingewechseltes amerikanisches Geld wieder »in den Markt« bringen, und die ewige Klage ist nachher »oh die theueren Seestädte.«

»Von woher seid Ihr denn, Alter?« frug ihn jetzt Stei[pg 023]nert, der, noch am sparsamsten, nur einige Grote auf den Teller geworfen hatte — »doch nicht aus Bremen?«

»Gott der Gerechte, nein!« lächelte der Gefragte, mit einem flüchtigen aber zufriedenen Blick den Haufen eingesammelter Münzen, unter denen sich nicht ein einziges Kupferstück befand, überfliegend — »bin ich doch von Bromberg.«

»Von Bromberg? Donnerwetter das ist weit« sagte der Weinreisende — »und was thut Ihr hier in Bremen?«

»Was wir in Bremen thun?« frug der Jude, die Augenbrauen in die Höhe ziehend — »Gottes Wunder was thun Sie in Bremen?«

»Ei wir wollen auswandern, Alter« lachte der Reisende, einen vergnügten Blick im Kreis herumwerfend.

»Als ich aach nicht hierbleiben mag, werd' ich aach auswandern« erwiederte aber der Israelit, die Schultern in die Höhe ziehend.

»Was? — auch auswandern?« riefen aber viele der Umstehenden wie aus einem Mund.

»Na?« — sagte aber der Jude, sich erstaunt im Kreise umsehend — »ist's etwa wohl zu hibsch hier für uns Jüden, heh? wer sollen uns wohl glicklich schätze, daß mer derfe unsere Steuern zahle und nachher getreten werden wie die Hunde?«

»Aber wo geht Ihr hin?« rief Einer der Umstehenden, »nach New-York?«