»Wir haben drittens gesehn daß der Schnaps auch in seinen Wirkungen das Gemüth des Menschen sänftiget, und [pg 165]ihm die zum Guten nöthige Kraft verleiht auf der Bahn der Gerechten zu wallen! Schnaps — geliebte Zuhörer, welcher Wohllaut liegt schon in dem einen kleinen Wort. Wie sanft und feurig zugleich durchströmt er uns die Adern, kitzelt uns den Gaumen und vertreibt die bösen Dünste. Er auch war es, der schon vor tausenden von Jahren viele jener merkwürdigen Wunder vollbracht, die eine thörichte Welt jetzt, und irrthümliche, oft böswillige Uebertragungen, anderen Wirkungen zugeschrieben haben. Schnaps ist Geist — wer aber brachte den Geist über die Propheten, die mit fremden Zungen redeten und nachher in alle Welt gingen alle Völker zu lehren? — wer anders als jener heilige Geist —«

»Das ist Gotteslästerung!« schrie da eine Stimme aus der Menge — »herunter von dort Du nichtswürdiger Mensch daß Dich nicht der Arm dessen trifft, den Du verhöhnst.«

Es war der Weber aus Zurschtel, der sich mit Mühe zwischen die Menschenmasse gedrängt hatte, zu sehn was da vorgehe, und jetzt in ehrlicher Entrüstung etwas entweihen hörte, an dem seine ganze Seele mit gläubiger Ehrfurcht hing.

»Ruhe da — Frieden! laßt den Mann ausreden!« rief aber mit Donnerstimme der Gesell mit den kurzgeschnittenen Haaren, der sich selber Meier genannt hatte — »halt's Maul Weber bis Du gefragt wirst!«

»Nein, er hat recht, das geht nicht — das dürfen wir nicht leiden!« riefen aber jetzt auch Andere dazwischen.

»Hurrah Maulbeere soll leben! fahr fort Maulbeere, laß Dich nicht irre machen!« jubelten ihm wieder Andere zu — »fort [pg 166]mit den Störenfrieden, steckt sie in's Zwischendeck hinunter.«

Der einzige Ruhige bei dem ganzen Sturm blieb Zachäus, der, ohne auch nur eine Miene zu verziehn, oder mit einer Muskel zu zucken, dem Toben geduldig zuhörte, langsam eine Prise nahm, sich schnaubte, und dann sein Taschentuch wieder wie einen Ball zusammendrehte. Sobald aber ein Augenblick Ruhe eintrat, fuhr er auch eben so unverwüstlich in seiner Predigt fort, sang, mit näselndem Ton, als er diese beendet hatte, die Litanei ab, die Worte dabei so verdrehend daß sie ein Lob des Schnapses bildeten, und schloß dann seine Predigt, unter dem wiehernden Gelächter der Passagiere, mit dem »Es sind auch noch einige Personen vorhanden, welche Willens sind in den Stand der heiligen Ehe zu treten,« wobei er eine Reihe unanständiger Namen von einem Papier ablas, und dann zum Gebet schreiten wollte, als der Steuermann von dem Capitain, bei dem sich Einzelne über den Unfug beschwert hatten, nach vorne geschickt wurde demselben zu wehren.

»Avast da!« rief er dem parodirenden Prediger auf seine derbe Art zu — »avast da mein Bursche und herunter von der Kanzel; der Unsinn hat jetzt lange genug gedauert, und die Leute da unten, die ihre Wacht zur Coye haben, wollen schlafen. Verstehst Du Hochdeutsch, oder soll ich platt mit Dir sprechen?«

»Laßt den Mann seine Rede halten, so lang's ihm gefällt« nahm hier wieder Meier seine Parthie — »wir reden Euch auch nicht hinein wenn Ihr sprecht.«

»Wenn Du einmal gefragt wirst mein Bursch, darfst Du antworten!« rief ihm aber der Seemann keck und zornig entgegen — »wenn ich hier befehle er soll herunterkommen, so kommt er oder — ich lasse ihn holen.«