»Sie vergessen, daß ich selbst um Zulage für ihn eingekommen bin,« entgegnete ihm, die indirecte Anklage parirend, der Pastor – »ich habe meinen ganzen Einfluß angewandt, es durchzusetzen.« (Er hatte eine ganz gewöhnliche Eingabe gemacht, da er nur kurz vorher ein dringendes Gesuch an das Ministerium, einem Neffen zu Liebe gestellt, und doch nicht gleich zweimal hinter einander mit dringenden Bitten kommen wollte.)
»Gebe Gott, daß jenes Gesuch erfolgreich sei,« sagte Hennig seufzend – »sonst kommt es zu spät.«
»Ist Kleinholz so krank?« frug Brauer besorgt – »ich will doch nachher einmal hinüber gehen.«
»Sie werden ihm viele Freude damit machen,« sagte Hennig – »er spricht viel und gern von Ihnen – Sie waren sonst immer so freundlich gegen ihn.«
»Also nur um ihr Einkommen zu vergrößern, haben Sie die Redaction dieses Blattes übernommen?« frug, auf den ersten Punkt jetzt wieder zurückkommend, der Pastor Scheidler – »ist dem so?«
»Nein,« erwiederte ihm Hennig kopfschüttelnd, »dem ist nicht so, Herr Pastor – nicht allein des Geldes wegen, wenn auch, Gott sei es geklagt, ein armer Dorfschulmeister der Letzte sein sollte, der von Geld verächtlich spräche – bin ich dazu gekommen, mir die Zeit am Schlaf abzusparen, und als Schriftsteller mit meinen geringen Kräften in die Welt zu treten – das Bedürfniß war es, über das, was mir so heiß und heilig am Herzen lag, über die Schulreform, über das Verhältniß der Schullehrer zu einander, über das, was den Kindern nützt oder schadet, und in dieser verschiedenen Wirkung Einfluß auf ihr ganzes künftiges Leben ausübt, mich einmal so recht tüchtig und gründlich aussprechen zu können. Die sächsische Schulzeitung verfolgt denselben Zweck, ist aber in unserem Ländchen viel zu wenig gelesen, und mein kleines Blatt dringt da vielleicht als helle, trostbringende Leuchte in manches arme düstere Lehrerherz, und ruft es mit auf zum heiligen Kampf für Wahrheit, Licht und – Gerechtigkeit. Selbst die gutgesinnten Geistlichen werden uns darin nicht entgegen sein, denn ihnen ist sicherlich mehr daran gelegen, gute, freudig wirkende und eifrige Schullehrer zur Seite zu haben, die mit ihnen Hand in Hand an dem schönen Werke der Volkserziehung arbeiten, als Menschen zu beaufsichtigen, denen man nur mittelbar das Stundenhalten anvertraute, die aber, wie das Gesetz angenommen zu haben scheint, fortwährend unter strenger Controle gehalten sein wollen, um nur nicht lässig und faul in ihrem Dienst zu werden.«
»Dann rechnen Sie mich also nicht mit zu den gutgesinnten Geistlichen,« sagte Herr Pastor Scheidler, und zog die Brauen, den Lehrer scharf dabei ansehend, hoch herauf.
»Nein, nein, nein, nein, Herr Hennig, nein und nochmals nein,« sagte der geistliche Herr, sich mehr und mehr ereifernd, »ich muß Ihnen, da wir endlich einmal auf das Kapitel gekommen sind, auch meine Meinung, wie sich das gehört, frisch und frei heraussagen. Im Anfang, und im Beginn der politischen Bewegung – oder nennen wir es lieber mit dem richtigen Namen – des Aufruhrs in Deutschland, mochte ich diesem Emancipationsstreben nicht so schroff entgegentreten, die Gemüther waren überdieß aufgeregt, und ich hielt es nicht für gut, solche Stimmung noch mehr zu reizen, jetzt aber hat das Wühlen, denn das allein ist der richtige Ausdruck dafür, lange genug gewährt, und ich bin nicht gesonnen, es länger selbst unter meinen Augen zu dulden!«
»Herr Pastor?« sagte Hennig erstaunt.