»Lob dem dreiein'gen Gott,
Der ewig ewig war
Und ist und bleiben wird,
Lob jetzt und immerdar.«
Die Kirche war aus – die feierliche Handlung beendet; die Knaben stürmten hastigen Laufs vom Chor herunter der Heimath zu, wo die Bescheerung – die, sie mochte nun so dürftig ausfallen, wie sie wollte, doch immer eine Bescheerung blieb – ihrer harrte.
Auch die fremde Frau verließ, und zwar die Nähe der Uebrigen, so viel das gehn wollte, vermeidend, rasch die Kirche – langsam bewegte sich die Menschenmenge hinaus, und hinter ihr drein – aber eine lange lange Zeit nachdem Alles wieder an seinem gehörigen Platz gestellt, und die Lichter ausgelöscht worden – kam der Schulmeister und schloß die Thüre zu.
Was hatte der Mann so lange in der kalten dunklen Kirche allein gethan? –
Er schritt jetzt – und selbst jetzt noch zögernd – der Schule zu, wo er den Kindern eine kleine Freude aus der Stadt mitgebracht, und Lieschen aufgetragen hatte, die Sachen indessen zu ordnen. Lieschen war aber ebenfalls in der Kirche gewesen und die Kinderschaar deshalb eben erst durch sie in Vaters dunkles Kämmerchen eingesperrt worden, damit ihnen indessen der heilige Christ doch das Wenige ungestört bescheeren könne.
Der alte Vater Kleinholz mußte gerade ein Wenig eingeschlafen sein, und Lieschen, die ihn nicht wecken mochte, rückte so geräuschlos als möglich den Tisch zurecht, breitete ein schneeiges Tuch darauf und legte die Handschuh, die warmen Mützen und Filzschuh wie einige andere Kleinigkeiten zurecht, die anzuschaffen der gute Hennig sich das Geld hatte mühsam am Munde absparen müssen, und selbst da wäre es noch nicht gegangen, hätte er nicht für sich einem warmen Rock, so nothwendig er ihn auch sonst sicherlich brauchte, entsagt. Sollten aber die Kinder des alten Schullehrers, die einzigen vielleicht im ganzen Dorfe sein, die Nichts bekamen und dann traurig aus und betrübt nach den hellerleuchteten Fenstern der Uebrigen hinüberschauen mußten? Nein – nicht, so lange es in seinen Kräften stand, das zu ändern.
Aber wo blieb er nur? – Die Kirche war schon so lange aus und Alles dunkel darin – Lieschen trat vor die Thür, ah – jetzt hörte sie das Zuschlagen der schweren Thüre, das Umdrehen der Schlüssel – die langsamen Schritte des Kommenden. Sie senkte das Köpfchen, und seufzte, während sie mit gefalteten Händen in das Zimmer zurückging.