»Die Ballade, Vater!«
Der Vater griff nach der Violine, die Tochter winkte aber bittend mit der Hand –
»Nicht das Instrument,« flüsterte sie – »die scharfen Töne thun mir weh – nur Deine Stimme, Vater – und – und Deine Hand dazu – das ist ja Alles, was – mir noch – geblieben.«
»Es ist so ein langweiliges Lied,« warf der Vater noch einmal ein, und suchte nur Zeit zu gewinnen, seine Thränen niederzuwürgen – »wie ist Dir denn, Marie?«
»Gut – gut, Vater – aber die Ballade!«
»Hm – ahem,« räusperte sich der Alte – setzte ein paar Mal an, und mußte immer wieder aufhören – »ahem«
Die Kranke ließ seine Hand nicht mehr los, lag aber still und geduldig des Anfangs harrend. Endlich hatte sich der arme alte Mann so weit gesammelt, daß er wenigstens seine Stimme gewinnen konnte, und mit leisen, klangvollen, aber doch vor niedergehaltenem Schmerz zitternden Tönen sang er:
Es steht am Meeresstrande
Eine stille bleiche Maid,
Barfuß im kalten Sande