»Nu hiaren Se, Herr Strohwisch,« sagte da der alte Bauer – »iber so'n Feier is nu gerade nich zu lachen – das missen Se nich duhn.«

»Hahaha,« lachte nichts destoweniger der Humorist, »das Feuer ist ein mir verwandter Geist, alter Freund, das sprudelt Feuerfunken, und ich sprudle Geistesfunken, und so fühle ich denn fast für jede auflodernde Gluth, die ich sehe, eine gewisse Art verwandtschaftlichen Interesses – verstanden?«

Der alte Mann schüttelte sehr bedenklich mit dem Kopf, und trank sein Bier, und Strohwisch ging mit seinen beiden neugewonnenen Bewunderern einmal vor die Schenke hinaus, um zu sehn, ob sie vielleicht von hier aus das Feuer erkennen könnten. Das war aber indessen schon wieder durch das rasche Hinzuströmen helfender Menschen unterdrückt und gelöscht worden, und als nach und nach die Leute von dem »Brande« zurückkehrten, füllte sich auch die Schenke mehr als vorher wieder, und die eben stattgefundene Brandstiftung, die hier nach all den Umständen jedenfalls vorlag, bildete natürlich die einzige Unterhaltung, so daß es Strohwisch, trotz unermüdlichen und zahlreichen Versuchen, nicht möglich fand, die Aufmerksamkeit der Versammelten wieder wie in einen Brennpunkt auf sich zu lenken. Er probirte Anekdoten – Witze – Verse – es blieb Alles gleich fruchtlos – die Männer nahmen fast gar keine Notiz von ihm, und selbst die Weinreisenden, der intelligentere Theil des Publicums, fingen an, die eingehenden Berichte interessanter zu finden, als seinen Humor.

Das war unerträglich – Strohwisch, im Begriff Horneck zu verlassen, denn der nächste Morgen war dazu bestimmt, ihn wieder der Residenz zuzuführen, sollte also unbewundert, unbeklatscht scheiden? – Nein, das ging nicht – das unselige Feuer drohte ihm allerdings die Palme des Abends streitig zu machen, noch aber gab er den Kampf gegen das Geschick nicht auf, noch gab es ein Mittel, den Feind mit seinen eigenen Waffen anzugreifen, zu besiegen.

»Meine Herren!« rief er, und trat auf einen Stuhl, »meine Herren!« – der Lärm blieb noch immer ziemlich arg, nur die Gesichter der Meisten wandten sich ihm zu, und der alte Bauer, der vorher des Städters »gotteslästerliche Reden,« wie er sie nannte, mit angehört, erzählte den ihm nächst Stehenden unter vielem und bedenklichem Kopfschütteln, was der Fremde gesagt, und wie er über das Feuer im Dorfe gelacht und gespottet habe. Der affectirte Städter war im Ort überhaupt nicht beliebt, besonders hatten ihn die Bauerburschen auf dem Korn, weil er mit seinen faden und nicht selten zweideutigen Schmeicheleien ihre Mädchen verfolgte und ärgerte, und Strohwisch würde kaum mit so zuversichtlich lächelndem Angesicht auf dem Stuhl oben stehen geblieben sein, hätte er die keineswegs freundlichen Worte über sich hören können, die hier in der einen Ecke entstanden, und sich rasch von Mund zu Munde weiter pflanzten.

»Meine Herren!« rief der zähe Humorist noch einmal und mit immer gellenderer Stimme – »bitte, vergessen Sie Ihre Reden nicht – aber ich möchte nur ein paar – nur ganz wenige Worte an Sie richten – Hm – Was sind Sie so außer sich über ein Feuer? – Was liegt in einem Feuer so Entsetzliches? – Es zerstört – es vernichtet? – ja, ich gebe es zu – aber auch Zerstörung und Vernichtung ist manchmal gut, wo es gilt, das Böse von der Erde auszurotten, die Uebel mit der Wurzel zu vertilgen.«

»Nua? mer söllen uns doch de Haiser nich ibern Kopp anstäcken lassen?« sagte hier Einer – dort ein Anderer – »na, was schwätzt denn der do – der rädt den Brandschtiftern ooch wol noch das Wort?«

»Meine Herren!« rief aber Feodor, zu dem keins der drohend gemurmelten Worte drang, »meine Herren – wo es gilt der Freiheit eine hehre Bahn zu brechen, da lassen Sie uns selbst Feuer und Brand nicht scheuen, aber Sie werden verstehen, welches Feuer, welchen Brand ich meine – die Fackel des Geistes muß mit kräftiger Faust in die Gebäude der Tyrannei geschleudert werden, daß die Flamme lodernd und leuchtend zum Himmel emporglühe.«

»Was seggt der da?« riefen die Bauern verwundert unter einander, und glaubten ihren Ohren nicht trauen zu dürfen – »in die Gebaide sullen mer Fackeln wärfen, un de Flammen sullen in de Hehe giahn? ei, den Kärl, den sull ja en Dunnerwätter in den Erdboden verschlahn; schmeißt'en doch 'naus!«

»Meine Herren!« rief aber in diesem Augenblick Feodor Strohwisch mit noch erhöhter Stimme, und suchte dabei in aller Hast wieder nach den ewig versteckten, den unentgehbaren Gedichten – die Außenwelt war für ihn todt, er jauchzte nur in triumphirendem Selbstgefühl, daß er endlich wieder das Wort erhalten, die Aufmerksamkeit der Schaar gefesselt hatte, und seines Sieges gewiß, öffnete er das glücklich gefundene Papier, das er beim Schein der dicht hinter ihm herunterhängenden Lampe recht gut lesen konnte. »Erlauben Sie mir, Ihnen ein ganz kurzes wunderhübsches Gedicht vorzulesen, das auf unseren jetzigen Zustand vollkommen paßt, und dessen Sinn Sie gewiß billigen werden – ein sehr guter Freund von mir hat es verfaßt – bitte, hören Sie.«