»Wie so?« frag Einer der Bauern.

»Wir wollen einmal hier bei der Schenke stehn bleiben,« erklärte Jener, sich in den einfachen Sinn seiner Umgebung schickend, »wenn wir die Schenke hier einreißen, um eine andere zu bauen, so ist das leicht, die steht frei und hat einen gehörigen Raum vor sich, um das alte Gerumpel abzuwerfen und den neuen Steinen und Balken Raum zu geben, und so war es auch mit Amerika, als sich jenes Land seine Freiheit erkämpfte, dort war Raum genug den alten Schutt abzufahren, und das neue Gebäude stieg rasch und schön empor. Wie wäre es aber, wenn Ihr drüben des Wagners Haus abbrechen und ein anderes dafür hinstellen wolltet? Ging das so ohne Weiteres? Wohin sollte er mit dem Schutt? Die Nachbarn würden sich bedanken, den solange in ihre Gärten zu nehmen; auf die Straße vor dem Haus dürft Ihr ihn auch nicht werfen, reißt Ihr also Vor- und Hintergebäude gleich zusammen ein, so sitzt Ihr nachher mitten im Gemenge drin, und kein Baumeister kann Euch mehr helfen, denn Ihr habt dem, indem Ihr seine freien Bewegungen hemmtet, selbst die Hände gebunden.«

»Das ist aber mit unseren Verhältnissen ganz anders,« fiel hier der Doctor ärgerlich ein.

»Allerdings« lächelte der Diaconus, »aber nur noch viel schlimmer, denn wenn diese jungen Leute, die jetzt überall auftauchen und von Umsturz des Bestehenden und Reorganisation ganzer Länder sprechen, erst einmal den Zügel in Händen hätten, wer wäre dann im Stande, ein solches Gewirr von Völkerstämmen und Nationalitäten zu vereinigen und in Ordnung zu halten? Wer sollte so rasch die Grenzlinie ziehn zwischen Anarchie und Volksherrschaften, und jene im Zaum halten, ohne von dem Volke selbst als Reactionair verschrien zu werden?«

»Das muß die Regierung thun!« sagte der Doctor ernsthaft.

»Ei was streiten wir uns denn dorum« fiel hier der Schmid dem Doctor in's Wort, »wenn jetzt die Franzosen kummen, da werd' sich die Sache schonst finden. So'ne neinzig Tausend Mann sin ooch keen Hund.«

»Da Ihr denn einmal bei den 90,000 bleibt« meinte der Diaconus, »so ist's vielleicht besser, ich lese den darauf Bezug habenden Artikel gleich vor; es ist eine Bekanntmachung, die das Generalcommando der Rheinprovinz erlassen hat, und lautet:

›Nach von mehrern Seiten bei der Militairbehörde eingegangenen zuverlässigen Nachrichten, sind von der französischen Grenze her Einfälle bewaffneter ungeregelter ungeordneter Arbeiterschaaren in die Rheinprovinz beabsichtigt. Um diesen zu begegnen ist die Aufstellung eines Corps gegen die Schaar erforderlich. Dazu ist, außer den Truppen in Trier – etc. etc.‹«

»Da haben Sie die ganze Geschichte; das sind Ihre 90,000 Mann gegen die, nur der Vorsorge wegen, ein paar Regimenter ausgeschickt werden.«

»So?« rief der kleine Mann höhnisch und hatte indessen schon, während Jener las, ein anderes, zerknittertes Zeitungsblatt aus der Tasche geholt – »so? da haben Sie wohl die Allgemeine oder die Kindermuhme? Das glaub ich, daß die solche Opiate zu verabreichen suchen – aber da ist hier ein anderes Blatt ›Die rothe Fahne!‹, an dem wir Mitarbeiter wie Pelz und E. O. Weller haben, das sagt Ihnen anderes, was Sie wissen sollen – Hier hören Sie: