»Nun ich denke, er wird sich meiner auch wohl etwa vierzehn Tage erinnern,« lachte der Jäger und nahm seinen Platz wieder ein.
»Was? – wie so? – Ihr habt ihn gesehen? – wo ist er jetzt? – haben sie ihn wieder?« So etwa lauteten die Fragen, die nun in rascher Reihenfolge an den Jäger gerichtet wurden, und dieser sah sich plötzlich als den Mittelpunkt aller der neugierig ihm zugewandten Gesichter.
»Weil ich ihm die Hinterläufe mit Schrot gespickt habe« lachte der Alte; »zwar nur Nr. 6 aber doch gerade hinreichend für einen derartigen kleinen Denkzettel.«
»Aber wo? – weshalb – wie kam das – wenn denn?« fiel hier das Chor wieder ein.
»Wo? wann? Im Holz drin, heut' Nachmittag, und weshalb? – ei weil er ein paar Frauenzimmer angefallen hatte wie ein Straßenräuber und sie schon plündern wollte als ich und der Schulmeister, der Hülfslehrer mein ich, gerade noch zur rechten Zeit und zum Schuß kamen.«
»Aber wo ist er jetzt? ist er gefährlich verwundet?« sagte der Doctor rasch und erschreckt.
»Hm – 's kann g'rade nicht so gefährlich sein,« meinte der Jäger kopfschüttelnd, »'s Auskratzen ging wenigstens nachher noch so ziemlich gut. Schweiß konnten wir auch nicht finden, aber mit meinem Fritz und den Holzschlägern bin ich ihm nachher nach, und richtig kriegten wir ihn auch wieder zu Gesicht, denn wir trieben das ganze Weidicht unten ordentlich ab. Mein Fritz und ich, wir nahmen die Flügel und wie wir oben an die Schwarzholzecke kamen, stellten wir Beide uns nach dem Dorf zu vor, und ließen die Holzmacher links herauf schwenken. Der Kerl war auch weiß es Gott im Treiben, und wollte, gleich wo's nachher nach dem Fluß zu geht, wie ein alter Fuchs durch die Treiber brechen. Das wäre ihm auch, da sie doch wenigstens funfzig Schritt auseinander gehn mußten, beinah gelungen, denn das Unglück wollt' es, daß er gerade zwischen dem alten lahmen Gottlieb und Richters Jungen hinein kam, die ihn alle Beide nicht wieder eingeholt hätten. Gerade da aber, wo er durchbrechen wollte, war ein offener Haidefleck – der Streifen Feld da oben, Wagner, wo wir vor zwei Jahren die jungen Kiefern steckten – und wie er eben über den hinspringen will, läuft der alte Gottlieb mit seinem Stock auf ihn an und schreit ihm zu, er soll sich ergeben. Hol' mich der Teufel, wie der den Stock auf sich gerichtet sieht, wobei er wahrscheinlich auch schon an das Blei dachte, das er bei sich trug, stieß er einen lauten Schrei aus, und sprang wie ein Donnerwetter in die dichten Büsche zurück.«
»Und was ist nachher aus ihm geworden?«
»Der Teufel weiß es« brummte der Jäger, »er ging wieder nach vorn, und wenn er nicht nachher doch noch einen Rückwechsel gefunden hat, so bleibt weiter gar nichts anderes möglich als daß er durch das Ufer des trockenen Baches, gerade unter den Dornen hin in das Dorf gekrochen ist.«
»In das Dorf?« riefen der Verwalter und Gerichtsschreiber, die jetzt ebenfalls an des Jägers Tisch getreten waren, »das kann ja doch gar nicht sein; der Graben oder was es ist, läuft gerade in Pastors Garten aus, und er wird sich doch wahrlich nicht, wenn einmal verfolgt, aus dem ihm allein noch Sicherheit bietenden Wald, mitten zwischen seine Feinde wagen?«