»Guten Morgen, Lieschen, das ist brav von Dir, daß Du zum Morgengruß heraus kömmst, wir sehen uns doch so selten, und es ist Einem den ganzen Tag wohl, wenn man gleich in aller Frühe in ein so liebes Gesichtchen geschaut hat.«
»Guten Morgen, Fritz,« lächelte seine Braut, »aber Du böser Mensch, willst am heil'gen Sonntag, und mit der Flinte in den Wald? Ist das auch recht? – na, wenn Dich der Herr Pastor sähe, der würde ein schönes Gesicht schneiden.«
»Er hat mich gesehen,« lachte der junge Jäger, »ich war erst beim Gerichtsschreiber, wegen des Burschen, den wir gestern verfolgt haben, und mußte nun den Kirchweg herauf. Gewöhnlich ist der Pastor nicht am Fenster, heute aber stand es auf, und er daneben, mit einem Papier in der Hand; er sah auch gerade nach mir herüber. Ei, was schiert das mich – sein Geschäft ist in der Kirche, meines im Walde, und wenn wir Beide dem obliegen, kann sich keiner über den anderen beklagen.«
»Am Sonntage ist aber Deines auch in der Kirche,« sagte Lieschen; »wenn nun Alle so denken wollten, da käme ja weiter kein Mensch zur Predigt, als der Pastor und Schulmeister selber; das wär' eine schöne Kirche.«
Der Jäger lachte bei dem Gedanken, daß der Pastor einmal keinen weiteren Zuhörer hätte, als den Schulmeister, sagte aber, schmeichelnd die Hand streichelnd, die er noch immer in der seinen hielt:
»Laß gut sein, Lieschen, Du hast vielleicht Recht –«
»Nein, nicht vielleicht, ich –«
»Du hast gewiß recht, aber sieh, heute geht's nicht anders; der Strauchdieb, der wehrlose Frauen im Walde anfällt, muß jedenfalls wieder zurückgewechselt sein, und da will ich nur einmal abspüren, wo er hinein ist, denn in dem feuchten Graben kann man jede Fährte genau bestimmen. Geschweißt hat er auch, vielleicht machen wir ihn noch aus, ehe er weiteres Unheil anrichtet.«
»Du lieber Gott, sprichst Du doch da von einem Christenmenschen, als ob es nur ein unvernünftiges wildes Thier wäre.«
»Ei was, ein Schuft, der Frauen anfällt –«