»Ein Schulmeister eine Pastorstochter?« entgegnete ihm kopfschüttelnd sein Bräutchen, »das mag wo anders Sitte sein, aber hier zu Lande im Leben nicht. Ach du lieber Gott, unser Herr Pastor seine Tochter einem Schulmeister zur Frau geben – na, ich möchte dabei sein, wenn er um sie anhielte.«
Der Jäger runzelte die Stirn und sagte finster:
»Ich möchte nur wissen, was ein Pastor denn so weit Besseres wäre, wie ein Schulmeister, – wenn Dein Vater uns Jungen nicht ordentlich erzogen und belehrt hätte, da sähe es jetzt wild im Dorfe aus, und der Herr Pastor könnte sich von der Kanzel herunter heiser schreien, es kehrte sich kein Mensch an ihn und seine Predigt. Ich will Dir auch etwas sagen, Lieschen, früher, wie wir uns noch nicht kannten, und wie mir der Schulmeister weiter Nichts war, als ›der Lehrer‹, um den sich die Jungen in späterer Zeit leider immer wenig genug kümmern, da war mir's auch einerlei, was so vom, und wie über den Schulmeister im Dorfe gesprochen wurde; aber schon, wie ich anfing Dir gut zu sein, ehe Du mich nur selber so recht freundlich angesehen hattest, ärgerte es mich, wenn es hier und da bei Gelegenheiten hieß – ›es ist nur der Schulmeister‹, oder ›wenn's der Herr Pastor will, der Schulmeister muß schon –‹, der ›Herr Schulmeister‹ fiel keinem Menschen ein zu sagen. Wie ich erst einmal auf der Spur war, kam ich auch bald weiter – ich dachte d'ran, wie wir Jungen es in der Schule gemacht, und was für Schläge ich einmal zu Hause von meinem Vater bekommen, als ich gegen den Schulmeister mit dem Pastor gedroht; jetzt erst sah ich, wie demüthig der Schulmeister den Herrn Pastor immer grüßte, und wie freundlich herablassend dieser dankte. Ei zum Donnerwetter, was ist denn der Pastor eigentlich besseres als der Schulmeister – daß er den Leuten etwa Sachen vorpredigt, von denen er eben auch nicht mehr weiß, wie wir anderen Menschen?« –
»Fritz – Fritz,« bat hier ernst das Mädchen, – »greif mir meinen Glauben nicht an, über die Menschen magst Du sagen, was Du willst, aber nicht über den.«
»Du hast recht, mein Herz,« sagte der junge Mann leicht besänftigt, »mir that es nur weh, daß auch Ihr selber, Du sowohl, wie Dein alter Vater, den Pastor ebenfalls für etwas Besonderes haltet, und Euch ordentlich vor ihm fürchtet. Doch das muß anders werden; in der Stadt drinn, wo ich vorgestern war, sprachen sie ganz offen davon, daß die Schule von der Kirche getrennt werden, und die Geistlichkeit mit dem Lehramt gleichgestellt werden sollte, nachher hört die Unterthänigkeit von selber auf. Es ist auch gerade so mit der edlen Jägerei – edel, lieber Gott, der Revierjäger wird gewöhnlich von dem gnädigen Herrn wie der Bediente behandelt, und Jäger sind wir fast gar nicht mehr, höchstens noch Forstläufer, die nach den Holzschlägern und Holzdieben sehen, und das Pflanzen der jungen Sprößlinge, wie die Auctionen der geschlagenen Klaftern und Haufen besorgen müssen – mir graust's vor dem Dienste.«
»Aber lieber Fritz,« sagte das Mädchen traurig, »jeder Stand hat doch seine –«
»Lieschen – Lieschen!« rief's in dem Augenblick aus dem Haus – »wo steckt denn das Blitzmädel wieder – Lieschen!«
»Ich muß in die Kirche,« sagte Lieschen rasch – »behüt' Dich Gott, Fritz, und – nicht wahr, wenn Du den armen Menschen im Walde triffst, so thust Du ihm nichts? Er ist gewiß unschuldig und vielleicht gar schwer verwundet.«
»Nummer 6.« lachte Fritz, »und auf 80 oder 90 Schritte, er wird's kaum gespürt haben, – adieu Lieschen, leb recht wohl, heut' Abend, wenn ich darf, komm ich ein halb Stündchen herüber, am Sonntag leidt's schon.«
Ein herzlicher Händedruck, ein flüchtiger halbgestohlener Kuß, und der junge Jägersmann schritt, zur unbändigen Freude seines Hundes, dem die Zeit hier am Gartenzaune schon entsetzlich lang geworden war, rüstig den Pfad entlang dem Holze zu; Lieschen aber schlüpfte rasch in's Haus, und ging bald darauf, züchtig und ehrsam über den kleinen Plan hinüber und in die große Kirchthür hinein, die ihrer Stube gerade gegenüber lag.