»Singt er nicht auch in seiner Kirche?« frug die Tochter, ohne ihre Stellung zu verändern oder auch nur den Kopf empor zu heben, »warum ich nicht in der meinen

»Nein« lachte der alte Mann und schaute mit einem halb verächtlichen, halb spöttischen Blick nach der Kirche hinüber – »Da thust Du denen unrecht, wenn Du sagst sie sängen; ich bin einen Augenblick drin gewesen, konnte aber das Gebrüll keine zehn Minuten aushalten. Herr, Du mein Gott und davon sind die Menschen erbaut, das soll sie erheben. Der Schulmeister spielte wunderschön die Orgel, das muß man ihm lassen, aber von der Gemeinde schrie einer da und einer dort hinaus, und wenn er gar einmal wie es ihm gerade in Fingern und Gefühl lag, einen halben Takt länger Pause hielt, dann hätt'st Du das Nebenbei schrein der Lümmel, das Kopfschütteln vom Pastor auf der Kanzel und das Kichern und Lachen von den Jungen auf dem Chor hören und sehn sollen. – Es war mir ordentlich wohl, wie ich wieder vor der Thür draußen stand.«

»Und was hast Du ausgerichtet?« frug ihn die Tochter.

»Ausgerichtet? – ei, eine ganze Menge – aber wie gewöhnlich nicht viel Gutes – wär's mit dem Morgenconcert heute etwas geworden, so hätten wir gleich wieder auf eine Zeitlang zu leben; Du glaubst gar nicht wie sich die Leute im Dorfe, besonders im Stadtviertel freuten, als ich es ihnen sagte, und wie sie mir versprachen zu kommen. – Daß es der Pastor verbieten würde, daran dachte ich ja doch mit keiner Sylbe, aber mein Seel, muß mich das Unglück auch gerade in dem Augenblick zum Apotheker 'nein führen, wie der Pastor drinne sitzt und eine Tasse Kaffee trinkt, und kaum hört der von meiner Einladung, als er sich in die Brust wirft und mir gerade zu erklärt aus einem Morgenconcert in seinem Dorfe könne Sonntags unter keiner Bedingung etwas werden, das lenkte die Kirchgänger nur von ihrer Andacht ab, oder verhinderte sie wohl gar im Gotteshause zu erscheinen. Ich protestirte; sagte ihm daß ich schon meine ganzen Einladungen gemacht hätte – ja Du lieber Himmel, was kehrte sich der Herr Pastor daran, ob ein so armer Lump von Musikant noch einmal bis zehn Uhr Nachts, und mit leerem Magen im Dorf herum laufen und das selbst wieder abbestellen und zerstören muß, was ihm morgen doch wenigstens ein paar Groschen zu Brod gebracht hätte. Herr Du mein Gott, s'ist doch gerade zum aus der Haut fahren, wenn sich jetzt auch noch die Pastoren den Musikanten quer vor's Handwerk legen. – Aber zum Henker – was ärgere ich mich denn auch eigentlich über den Quark – giebt's denn auf der Welt etwa ein vortrefflicheres Leben als das unsere?

»Wo er naht, da tanzt man eben,

Durch das ganze Land,

Ist es nicht ein herrlich Leben

So ein Musikant?«

»Darum, sei's auch noch so schlimm hier,

Bleibt's der schönste Stand,