»Rächt so, Schulmeester!« rief der Bauer – »Ihr sidd en ganzer Kerl, un Eier Schade sills ooch nich sin – verstanden? Aberscht Herr Je – was kläwet Jär denn hiar in dar Ecke? – Das Mächen fengt grade widder an zu singen – Dunnerwetter! die singt schiane, da is unsen Vursänger, unsen Karl Gottlob saine Stimme Haberstroh dagegen – kommt Schulmeester – weeß Heppchen, 's geht grade los – ich will nur oben 'rim gähn, un mei Bier runger holen.«

Und damit schüttelte der Bauer dem jungen Lehrer noch einmal herzlich die Hand, nickte dem anderen vertraulich zu, und drängte sich rasch durch die Menge nach der Stelle hin, wo des alten Musikanten Tochter eben ein kleines, wehmüthig klingendes Lied, aber mit so süßer, schmelzender und glockenreiner Stimme sang, daß die beiden Freunde selbst ihre Unterhaltung darüber vergaßen und erstaunt den wunderlieblichen Tönen lauschten.

Das Mädchen war zwar noch in dasselbe ärmliche Gewand gekleidet, wie wir sie im zweiten Kapitel mit ihrem Vater gefunden, aber sie ging jetzt im bloßen Kopf, das dunkle volle Haar glatt auf der weißen Stirn gescheitelt, und den Shawl fest und dicht um ihre Schultern gezogen, daß er den oberen, zerrissenen Theil ihres Gewandes vollkommen verhüllte, und schlank und zart stand so die edle Gestalt des armen Kindes an den einen Pfeiler des niederen Orchesterdaches gelehnt, und schaute, als sie das kleine Lied beendet, still und schweigend vor sich nieder.

»Das sin immer so kurze Dinger,« sagte da ein reicher Bauer aus Horneck, der dicht daneben an seinem Tische saß, und mit tiefem Athemzug den schäumenden Bierkrug eben von den Lippen genommen hatte – »wenn mer äben glaubt es sille recht ordentlich lus gähn, dann is es g'rade widder aus – weeß de Jungfer nischt langes?«

»Ja – en langes Lied, mit recht viele Värsche« – fielen hier noch ein paar andere junge Bauerburschen ein – »daß mer ooch de Melodie behalten kann – un nich so traurig.«

»Sing doch einmal die ›Fahrt in's Heu‹, Marie,« stieß sie der Vater an – »das hören sie gerne.«

Marie schüttelte leise mit dem Kopfe –

»Nu? – wolln mer noch en Bischen?« frug der Bauer.

»Die Ballade, Vater!« flüsterte die Tochter – während dieser die auf das Knie gestellte Geige stimmte. –

»Ach, das langweilige Ding,« brummte der Alte, Marie trat aber einen Schritt von ihm zurück, hüllte sich fester in ihr Tuch, und schien entschlossen zu sein; das Publicum wurde dabei ungeduldig und Meier, der wohl einsah, daß er sich fügen mußte, nahm die Violine in die Höh', und stimmte nach kurzem Vorspiel eines jener reizenden schottischen Volkslieder an, die erst nur einzeln zu uns herüber geklungen sind und das Herz mit so süßer, schmerzlicher Wehmuth erfüllen. Die Tochter lauschte den Tönen erst mehrere Secunden lang und ihre Hand folgte fast unwillkührlich dem Tact des Liedes, bis sie endlich am Schlusse des Vorspiels mit anfangs leiser, dann aber immer bewegterer und schwellenderer Stimme einfiel: