»Ist der Bote noch nicht aus der Stadt zurück?« frug Herr von Gaulitz diese.
»Nein, Euer Gnaden,« lautete die Antwort, »er wird auch wohl vor Dunkelwerden gar nicht hier sein können.«
»Wer war denn das Mädchen, welches da eben über den Hof ging? – Hat der Gerichtshalter etwas herüber sagen lassen?«
»Nein, Euer Gnaden, es war das Mädchen der Frau Kommerzienräthin Schütte, die sich hat erkundigen lassen, ob die gnädige Frau heut' Nachmittag zu Hause blieben, und ob sie störten, wenn Sie ein Bischen herüber kämen.«
»Herr, Du mein Gott!« seufzte der Oberpostdirector halblaut vor sich hin – »das wird ein angenehmer Nachmittag werden – nun fehlte mir nur noch unser tägliches Brod – der Literat Strohwisch.«
Das Mädchen, dem die Worte nicht entgangen waren, lächelte und verschwand gleich darauf mit ihrem Backwerk im anderen Zimmer, wo indessen die Damen um den großen runden, mit weicher Damastdecke überhangenen Eichentisch Platz genommen hatten.
Druck von Breitkopf und Härtel in Leipzig.
Fußnoten
[1]: Diese Schilderung ist nicht übertrieben, denn noch bis zu diesem Augenblicke findet ganz das nämliche in dem Dorfe Roitzsch bei Wurzen statt.
[2]: Interessant ist die Note, die zu dieser Anforderung im »legalen Schulmann« steht; ich will sie deshalb beifügen. Sie heißt: