»Nun, Christoph, was giebts?« frug der Gutsherr rasch – »bringst Du Briefe?«

»Ja, zwee – eenen an den Herrn Oberpostdirecter, un eenen an den Herrn Paster – es sieht wild in der Stadt aus.«

»Was? – Wie so?« sagte von Gaulitz, indem er an den Tisch trat und den Brief erbrach.

»De Minister haben se fortgejeggt,« lachte der Bursche, »reene fort – eben wie ich zum Thore 'naus wulle, gung der Spectakel los.«

»Um Gott,« fuhr der Oberpostdirector erschreckt auf – »das wäre bös –«

»Ja, Se kennen sich druff verlassen, – in der Schenke han ich's en ooch schonst verzählt – na, die fungen en scheenen Cravall an – herr jes!«

Der Pastor hatte indessen seinen Brief ebenfalls geöffnet, von Gaulitz bat ihn aber mit leiser Stimme, ihm auf sein Zimmer zu folgen, und die beiden verließen nach nur kurzer, hastiger Entschuldigung die Gesellschaft.

Auch Christoph wollte sich mit vielen Bücklingen entfernen, um seine Neuigkeit wahrscheinlich im Dorfe weiter zu tragen, der kam aber schön an. Die drei Damen Seiffenberger und Schütte nahmen ihn in die Mitte, Strohwisch besetzte die Thür, und er mußte nun erzählen, bis er, wie eine total ausgepreßte Citrone, der auch der letzte Tropfen Saft genommen, trotz den gewaltigsten Anstrengungen nichts weiter mehr herausgeben konnte. Erst dann überließen sie ihn, matt und erschöpft seinem Schicksal.

»Herr Pastor,« sagte der Oberpostdirector indessen, als der Bediente das Licht auf den Tisch gestellt, und das Zimmer verlassen hatte – »die Sache in der Residenz scheint allerdings schlimm zu stehen, und die Revolution auch in unser kleines Ländchen ihre Bahn gefunden zu haben; nur von dem Sturz des Ministeriums las ich hier noch kein Wort – ich hoffe, der Bursche hat in all seiner Aufregung die Sache am Ende gar schlimmer angesehen, als sie wirklich war.«

»Auch in meinem Briefe steht keine Sylbe davon,« versicherte der Geistliche, – »für mich aber ist hier eine sehr fatale Nachricht enthalten. Denken Sie nur, unser Gefangener ist der Sohn unseres Generalsuperintendenten Wahlert, der sich freilich, wie mir der Hofprediger Bellmann hier schreibt, nach dessen letzten politischen Umtrieben von ihm losgesagt, und ihm förmlich das Haus verboten hat – aber, Du lieber Gott, Elternliebe läßt sich nicht so ohne Weiteres und mit solchem jungen Menschen zu gleicher Zeit vor die Thüre setzen; die bleibt zu Haus, und nagt und mahnt, und holt ihn am Ende doch wieder herein. Der Generalsuperintendent ist, besonders bei Hofe, außerordentlich einflußreich, und ich weiß in der That nicht, ob er es uns später danken würde, dazu beigetragen zu haben, sein einziges Kind aufzufangen.«