»Schon gut, Schönel« sagte Hennig, »ich will mein Bestes versuchen – komm Kind, fürchte Dich nicht, es geschieht Dir Nichts – sei brav und setze Dich da drüben auf die Bank – komm – sieh mir einmal in's Gesicht.«
»Ich will aber niche!« heulte der Junge.
Die anderen lachten. –
»S'is en Wetterbängel« grinste der Vater, und freute sich augenscheinlich über die Charakterfestigkeit seines Sohnes – »kumm, Gottlob – stiah uff sunst krichste 'ne Schälle, daß de Dich rimm und rimm driahst.«
Gottlob schien sich jedoch auf seine Unverletzlichkeit zu verlassen, er zog, da er doch mit einem Beine, seines Schwerpunktes wegen, auf der Erde bleiben mußte, das andere bis ans Knie herauf, drückte sich selber, so weit die breite Faust seines Vaters das zuließ, hinunter, und deckte sich das Gesicht mit dem linken Arm und Ellenbogen.
»Kriate!« sagte sein Vater und hielt die angedrohte Schelle, der sein Sohn auch nicht die mindeste Blöße gab, zurück, schüttelte denselben aber mit solcher Kraft, daß ihm alle Glieder am Leibe zitterten, und in diesem Augenblick wirklich nur noch die engen drallen Kleider, die lederne Hose und blaue Jacke, die kleinen Gelenke zusammen zu halten schienen. Gottlob mußte übrigens an derlei Behandlung schon gewöhnt sein, denn er verblieb, wie aus Blei gegossen in seiner Stellung, und biß nur die Zähne recht fest auf einander, als ob er fürchtete, daß ihm die aus dem Munde fliegen könnten. Hennig legte sich endlich ins Mittel, nahm den Jungen seinem väterlichen Freund und Schützer ab, und trug ihn mehr als er ihn führte auf eine Bank. Dort setzte er ihn hin, redete ihm zu, ein guter Junge und hübsch artig zu sein, und versicherte ihn, daß er in dem Fall auch nicht das Mindeste von ihm zu fürchten habe.
»So is's rächt, Schulmeester,« sagte der Bauer, und schaute wohlgefällig auf seinen heulend dasitzenden Jungen hin – »er werd sich's schonst märken, denn Märks hot er,« und er machte dabei die Bewegung einer Maulschelle, ging dann auf seinen Zögling zu, drückte ihm ein riesiges Butterbrod, das er eingewickelt in der Rocktasche getragen, in die Hand, klopfte ihm freundlich auf den Kopf, versprach ihm auf den Mittag Klöse, wobei die übrigen Jungen einen neidischen Blick auf den Glücklichen warfen, und verließ das Zimmer.
Gottlob blieb von da an still und regungslos, aber auch ohne den Kopf aus dem Arm zu nehmen, auf seinem Platz sitzen, und Hennig ließ das gern geschehen, da er sich doch erst, wie er meinte, an die Schulluft gewöhnen müsse.
Die bis dahin durch diese Unterbrechung gestörte Stunde begann jetzt damit, daß der Lehrer einige Fragen aus der biblischen Geschichte an die Ersten der Klasse that, und sie darauf hinzuleiten suchte, wie Manches, was uns jetzt sonderbar oder vielleicht lächerlich in den alten Gebräuchen und Handlungen vorkomme, durch damalige Verhältnisse bedingt, und dem dortigen Land und Klima anpassend gewesen wäre. Die Antworten, die er freilich manchmal auf seine Fragen erhielt, lauteten oft komisch genug, die Kinder gewöhnten sich aber doch daran, ihnen fern liegende Sachen zu bedenken, und fingen dabei auch nach und nach an einzusehen, daß die Leute in der biblischen Geschichte, die sie sich eigentlich wie lauter Heilige und höchst merkwürdige Wesen gedacht, doch auch nur Menschen mit Tugenden und Fehlern, wie es jetzt deren auch gab, gewesen wären.
Als er so die erste Klasse eine Zeitlang geübt, wandte er sich auch an die Kleineren, und überraschte diese plötzlich mit der, etwas aus der Luft gegriffenen Frage: