Ein allgemeines Gelächter der ersten Klasse folgte dieser Antwort, die Kleinen saßen verdutzt, und Gottlieb Schönel, der natürlich glaubte, die ganze Klasse hätte weiter Nichts zu thun, als sich um ihn zu bekümmern, und das Lachen gelte auch nur einzig und allein seiner kleinen Person, rückte verdrossen auf seinem Sitz herum, und fing von Neuem an zu heulen.
Die biblische Geschichte hatte durch diese Antwort übrigens einen entschiedenen Stoß bekommen, denn Noahs oder seiner ganzen Familie Name durfte z. B. gar nicht mehr erwähnt werden, ohne daß die halbe Klasse anfing zu kichern, und die andere Hälfte gerade so aussah, als ob sie sämmtlich den bedeutendsten Theil ihres Frühstücks darum gegeben hätte, wenn sie nur einmal so recht von Herzen herausplatzen könnte.
Der Lehrer sprang deshalb auf etwas ganz anderes, und zwar den jetzigen Zustand über, in welchem sich in Deutschland die arbeitende Klasse befände, entwickelte darin, wie Arbeit überhaupt nothwendig sei, die menschliche Gesellschaft unter sich zusammen zu halten, und bewies den Kindern, daß Jeder im Staat, vom König herab bis zum unbedeutendsten Gänsejungen – Gottlob bezog das wieder auf sich, und zog ein nettes Register – einen gewissen Theil und eine bestimmte Arbeit, die auch wieder ihrerseits den Andern zu gute käme, verrichten müßte. Er ließ nun abwechselnd die Knaben auch ihrerseits die Gründe angeben, weshalb sie glaubten, daß es nöthig und nützlich für sie sei, zu arbeiten, und weshalb es besonders schon das Billigkeitsgefühl verlange, ebenfalls etwas für andere zu thun, da Andere doch unausgesetzt für uns selber beschäftigt wären.
Die Knaben schienen das im Anfang nicht recht begreifen zu wollen, es war ihnen unklar, wie sie, besonders aus Billigkeitsgefühl für Andere, zum Beispiel Holz hacken sollten. Hennig aber fuhr fort:
»Arbeitet denn Euer Vater nicht, um einen Euch allgemein bekannten Fall zu setzen, fortwährend für Euch, daß Ihr Speise, Trank und Kleidung habt? – Ist es deshalb nicht recht und billig, daß Ihr auch für ihn mit Hand anlegt, und Alles thut, was in Euren Kräften steht, ihm wieder dafür zu helfen? Arbeitet nicht auch z. B. der Schneider für Dich, Christian?«
»Ja,« sagte der Junge, und schlenkerte dabei vergnügt mit den Beinen.
»Gut, also versteht es sich von selbst, daß Du für ihn, oder andere Menschen, die es bedürfen, ein Gleiches thust; es ist dies das Band, wodurch die menschliche Gesellschaft mit einander verbunden wird, und im Stande ist, als ein geselliges Ganzes zu existiren.«
»So arbeitet also auch der Schuhmacher für Dich, Leberecht?«
»Ne!« grinste Leberecht, und verzog das Maul von einem Ohre bis zum anderen. – Die Anderen lachten laut auf.
»Nein? – und weshalb nicht?« frag Hennig, selber lächelnd –