»Hm – gut – das ist die erste Klasse, nicht wahr – rrrrrr? – hm, hm, hm, das sieht nicht zum Besten, hm, hm – sehr flüchtig geschrieben – hm – sehr flüchtig, und gar nicht sauber – rrrrrrrr! – hm – wem gehört denn das Buch hier – rrrrr? – Hans Müller? – Hans Müller, komm einmal her zu mir! – wer hat denn hier den Kleks auf die Zeile gemacht, he – rrrrrr? – und wer denn da, rrrrrrrr? – und wer denn da, rrrrrrrrrrrr? – Hans Müller, stell' Dich einmal dahinter an den Ofen zu dem anderen bösen Knaben, und bleib da stehen, bis ich wieder fort bin, rrrrrr – und wie ist das geschrieben – rrrrrrr? – sieht das nicht aus, als ob die Hühner und Gänse darauf herumgekrappelt hätten, he – rrrrrrrr?«

Hans Müller stand wie aus den Wolken gefallen – Herr Hennig hatte ihn bis jetzt vor allen Uebrigen, gerade seines Schreibens wegen, immer gelobt und ausgezeichnet, und jetzt –

»Nun wird es – he?« – fuhr ihn da der gestrenge Herr Superintendent an – »Herr Hennig, ich muß gestehen, daß ich mehr Gehorsam in ihrer Schule erwartet hätte, rrrrrrr – wir haben noch keine Emancipation Herrrrrrrr, daß wir jetzt schon oben hinausthäten, als ob wir alleiniger Meister in der Schule wären, rrrrrr – noch keine Emancipation Herr Hennig, noch keine Emancipation, und werden sie auch, mit Gottes Hülfe, im Leben nicht kriegen – rrrrrr. – Hm – das sieht etwas besser aus, aber auch eine unbestimmte flüchtige Hand – keine Methode – keine Methode – muß besser werden, viel besser werden, hm, hm, hm rrrrrrrrr.«

Die Schreibbücher wurden einer höchst scharfen Kritik unterworfen, beinahe in jedem sah Sr. Ehrwürden etwas zu tadeln und zu rügen, und nur Einer – ein Einziger fand Gnade vor seinen Augen, und dieser – Hennig konnte ein Lächeln, das sich auf seine Lippen stahl, kaum zurückhalten, als der Herr Superintendent dem dümmsten Jungen seiner Klasse so freundlich die runde apfelrothe Backe streichelte. Es war der älteste in der Klasse, ein Bengel, der, trotz Ermahnungen und Schlagen, in seinem dreizehnten Jahre kaum eine erkennbare, aus Nichts als Grundstrichen bestehende Schrift schrieb, das aber gefiel dem frommen Herrn; er sah darin eine feste männliche Hand, klopfte dem Jungen – sein Vater war zufällig der reichste Bauer in Horneck und stand mit dem Herrn Superintendenten in ziemlich naher Geschäftsverbindung – freundlich auf die Schulter, und ermahnte ihn, in Fleiß und Eifer so fortzufahren wie bisher, rrrrrrrrrrrrr.

Als dies beseitigt war, flüsterte der Pastor dem frommen Herrn etwas in's Ohr, dieser nickte beifällig mit dem Kopfe, wandte sich dann an den Schullehrer und sagte:

»Dürfte ich Sie bitten, Herr Hennig – Ihr Buch – ich wünschte eine kleine Religionsstunde zu halten – hm.«

»Wir haben heute Morgen schon Religionsunterricht –«

»Ich weiß es, ich weiß es – bitte – so schön – hm.« –

Und der Herr Superintendent ließ sich, die Klemmbrille fest auf die Nase gedrückt, hinter dem Katheder nieder, faltete die Hände über den aufgeschlagenen Katechismus, warf einen andächtigen Blick zur getünchten Decke empor – hustete und räusperte sich und sprach dann mit weicher, andächtiger Stimme:

»Betet, lieben Kinder – Vater unser, der Du bist im Himmel –«