»Nichts — nichts;« flüsterte Sadie leise und suchte sich aufzurichten — sie deckte einen Moment die Augen mit ihrer linken Hand und das rasche Wogen ihrer Brust verrieth jetzt allein noch den Sturm der in ihr tobe. »Es ist vorbei« sagte sie dann nach kleiner Pause mit leiser, aber wieder fester Stimme — »es ist Alles vorbei.«
Aia wandte sich ab, und hielt beide Hände jetzt fest an ihr Herz gepreßt, René aber rief mit lauter freudiger Stimme:
»Und da drüben beginnen wir dann ein neues, freudiges Leben — so wirf den Gram und Kummer von Dir mein herziges Weib; sieh, da sind die Leute, und ungeduldig winkt mir der Bootssteurer schon und zeigt nach dem Schiff — sie dürfen nicht länger zögern — leb wohl Sadie!«
Wieder warf sich die Frau an seine Brust — aber es war nur ein Moment, nur die fast krampfhafte Wirkung des Trennungsworts, dann sich gewaltsam emporraffend griff sie nach ihrem Kind und reichte es ihm hinauf.
»Da — küß Dein Kind noch einmal« flüsterte sie ihm zu.
»Aber Sadie, quälst Du Dich doch als ob es eine Trennung auf Jahre gälte; fasse Dich Lieb.«
»Küsse Dein Kind« bat die Frau, und das kleine liebe Ding hatte schon die Aermchen um des Vaters Nacken gelegt, und preßte seine rosigen Lippen auf seinen Mund — »und nun leb wohl René« sagte sie dann und ihr Antlitz, wenn auch noch von Thränen überströmt, hatte ganz wieder seine alte Ruhe gewonnen — »leb wohl René und schütze Dich — schütze Dich Gott!«
»Mein liebes Weib —«
»So — so, das ist gut, und nun mein Kind — fort, fort nach Atiu« — und unter Thränen lächelnd hob sie die Kleine sich auf den Arm; noch einmal hingen ihre Lippen in langem heißen Kuß an denen des Gatten, und sich selber aus seinem Arm reißend floh sie hinunter zum Boot, wo die Leute schon ungeduldig standen und sie erwarteten.
»Segel auf da vorn!« rief indeß der Bootssteuerer der hinten, mit dem langen Riemen im Eisenring, stand und die Abschiedsscene mit spöttischem Lächeln betrachtet hatte — »und aufgepaßt da mit Euerem Bug, daß wir nicht auf den Sand kommen — Alles klar?«