Aia erröthete und schüttelte unwillig mit dem Kopf —
»Was Kleider, was Matte, ich habe Nichts auf der weiten Welt und — brauche Nichts. Eine Matte finde ich in Atiu darauf zu schlafen, oder Blätter und Gras genug für ein Lager, und die Brodfrucht ist so süß dort wie hier — und süßer — viel süßer« setzte sie mit weicherer Stimme hinzu.
»Ich habe Matten genug für Dich, Aia« sagte Sadie herzlich.
»Ich weiß Du bist gut« flüsterte das Mädchen — »aber ich hatte selber eine Matte, nur gestern und vorgestern — schlief ich — schlief ich bei der alten Hexe im Haus, die sie Mütterchen Tot nennen — und die behielt mir für Schlafen und — aber was brauch' ich's auch« setzte sie unwillig hinzu — »mag sie zu Gift dem ersten werden, der sich d'rauf bettet.«
»Aia —«
Das Mädchen wandte den Kopf scheu und beschämt zur Seite, aber ihr Blick traf ein weißes Segel, das eben über der Landspitze sichtbar wurde, und durch das Binnenwasser der Riffe kam, von vier kräftigen Matrosen gerudert, ein scharfgebautes schlankes Boot schäumend heran. Sie deutete mit der Hand hinüber und wie mit einem Messer stach es nach Sadie's Herzen, denn das Boot das dort herbeischoß — war bestimmt sie aus den Armen des Gatten, zum ersten Mal von seiner Brust zu reißen. Sie wurde todtenbleich und Aia sprang zu sie zu unterstützen.
»Sadie — Sadie« bat René, der rasch seinen Arm um sie schlug und sie an sein Herz zog, »mein armes süßes Kind fasse Dich — nur für wenige Wochen ist es ja — Tage vielleicht, die ich getrennt von Dir bin, und die Zeit wird rasch und leicht vorübergehn — grüße mir mein Atiu indessen.«
»René — René!« weinte die Frau an seinem Hals und schmiegte sich an seine Brust, als ob sie ihn nie und nimmer lassen könnte — und Aia stand daneben, die großen hellen Thränen ihr rasch die Wangen niederjagend, und ihr Blick haftete in einer eigenen Mischung von Zorn und Angst und Schmerz auf dem Mann. Aber sie sprach kein Wort und die Arme jetzt krampfhaft fest über der Brust gekreuzt blieb sie in ihrer Stellung regungslos der Gruppe gegenüber.
Auf einen Wink René's trug indeß das Mädchen, das sie ebenfalls hinüber begleiten sollte, das letzte Gepäck zum Strand hinunter, dem der Bug des Wallfischbootes rasch entgegenstrebte, und Sadiens Stirn dann küssend flüsterte er noch einmal:
»Komm Kind, komm — faß Dich mein süßes Lieb — sieh was müssen die Matrosen davon denken, die gleich hier bei uns sind. Um Gott, was fehlt Dir nur?«