»Etwas spricht für Ihre Behauptung« sagte Madame Belard etwas pikirt — »daß wir armen Frauen so oft von Euch Männern betrogen werden — vielleicht haben Sie doch recht, und dieser Kleiderblick ist unser Fluch. Ich habe nicht geglaubt daß Sie so boshaft sein könnten.«
»Herr Delavigne will uns die Trennung leichter machen« sagte Susanna, wirklich fast böse über die etwas herbe Bemerkung.
»Gott verhüte daß ich Sie kränken sollte« fiel ihr René rasch ins Wort — »zürnen Sie mir nicht, mir ist der Kopf wirr und toll seit heute Morgen, und der Gedanke Tahiti — so viele liebe Freunde zu verlassen, noch zu neu, zu fremd — zu ungewohnt. Aber ich muß auch fort; es dunkelt schon und ich habe noch Einiges in der Stadt zu besorgen, was vor dem Abendschuß abgethan sein muß.«
»Also wirklich fort?« sagte Madame Belard.
»Ich kann nicht anders« seufzte René und fuhr dann leiser und ihre Hand ergreifend fort, »ich lasse viele liebe Freunde hier zurück — werden auch Sie manchmal meiner gedenken?«
»Wir wollen keinen großen Abschied von einander nehmen, Delavigne« sagte die kleine Frau bewegt, mit Willen und Anstrengung aber die Bewegung niederkämpfend — »Sie gehn nicht aus der Welt, und werden manchmal hier herüber kommen; es ist ja das Schönste was wir haben auf der Welt, liebe, uns theuere Freunde wieder zu sehn, deren Bild, auf dem dunklen Hintergrund der Trennung nur so viel schärfer und reiner in unserer Seele bleibt. Gehn Sie mit Gott, grüßen Sie mir Ihr Weibchen und — mögen Sie das finden was Sie suchen.«
Ihm rasch ihre Hand entziehend, denn sie hatte den jungen Mann durch sein offenes herzliches Wesen wirklich lieb gewonnen, und er sollte die Thränen nicht sehn die ihr ins Auge stiegen — verließ sie rasch das Zimmer.
Susanna machte eine Bewegung als ob sie ihr folgen wollte, besann sich aber und blieb an dem Instrument stehen, auf das sie sich mit der linken Hand stützte.
»Miß Lewis« sagte René leise — »ich glaube nicht daß wir uns wiedersehn werden —«
»Ich habe Sie ja noch eigentlich gar nicht entlassen,« unterbrach ihn die Jungfrau, gewaltsam gegen ein Gefühl ankämpfend, dem sie nicht Worte geben mochte und konnte; aber, ohne daß sie eigentlich wußte warum, einen ernsten Abschied fürchtend, fuhr sie, in den leichten Ton übergehend, freilich in gezwungener Fröhlichkeit fort — »Sie haben sich mir auf Gnade und Ungnade ergeben und müßten mich jedenfalls erst um Urlaub bitten. Wissen Sie wohl daß mir der Preis bekannt ist, den mein Vater auf Ihr Wiedereinbringen gesetzt hatte, und soll ich Sie jetzt so ohne Weiteres entlassen?«