»Allerbarmer ja!« sagte der Priester in langsamem und tiefem Ton — »ja, bis zum letzten Faden seiner Gnade und Barmherzigkeit — dann aber auch der Rächer und furchtbare Richter, mit dem Schwert seines gewaltigen Zornes und dem Eisen seiner Allmächtigkeit. Sein Arm ist furchtbar und die Welt zittert wenn er den Finger hebt.«

»Aber Gott kann nicht den Untergang Aller wollen« bat Sadie — »er sieht die Herzen und weiß die Schuldigen von den Schuldlosen zu trennen — o wäre Vater Osborne hier, daß er seinem armen Kinde Trost spendete und Rath in der entsetzlichen Noth.«

»Nur im Gebet liegt Beides« erwiederte streng und ernst wie je, der Geistliche — »bete Tochter, verlorenes Lamm der Heerde — bete. Bete zu dem Allmächtigen daß er Deiner Stimme Kraft verleiht, zu dem Ohr des Gatten zu dringen, daß er Deinem Herzen die Stärke giebt, auszuhalten in dem schweren Werk und Seinem Pfad zu folgen, trotz allen Irrgängen des Versuchers. Noch ist der Böse mächtig in Dir, aber der Herr wird Dich beugen und niederwerfen in den Staub, wenn Du Dich am sichersten glaubtest vor Seinem Arm — so bete, bete daß Er die Fasern Deines Herzens zum Lichte wende und Seine Hand über Dich halte, Dich zu schirmen und schützen in dem nahen Kampf.«

Und wie von dem Geist berührt von dem er sprach, warf er sich plötzlich neben der Trauernden, die mechanisch seinem Beispiel folgte, auf die Knie nieder, und die Augen schließend und die fast krampfhaft zusammengefalteten Hände zum Himmel aufhebend rief er mit lauter wehdurchschauerter und das Herz des Weibes wie mit scharfer Waffe treffender Stimme in dem Psalm Assaphs:

»Herr es sind Heiden in Dein Erbe gefallen — die haben Deinen heiligen Tempel verunreinigt und aus Jerusalem Steinhaufen gemacht.

»Wir sind unseren Nachbarn eine Schmach geworden, ein Spott und Hohn denen, die um uns sind.

»Herr wie lange willst Du so gar zürnen, und Deinen Eifer wie Feuer brennen lassen?

»Schütte Deinen Grimm aus auf die Heiden, die Dich nicht kennen, und auf die Königreiche, die Deinen Namen nicht anrufen.

»Denn sie haben Jacob aufgefressen und seine Häuser verwüstet.

»Gedenke nicht unserer vorigen Missethat, erbarme Dich unserer bald, denn wir sind fast dünne geworden;