Keine Antwort erfolgte.

»Lauter!« sagte der Soldat.

»Boot ahoy« rief Jim noch einmal, ohne daß sich von draußen irgend etwas als Antwort hören ließ; ja es schien eher als ob der Laut das da drüben, was es nun auch gewesen, zurückgescheucht habe in die Tiefe, aus der es vielleicht gekommen.

»Du rufst gerade als wenn man in einen Topf spricht« brummte der Soldat — »das kann man ja nicht auf fünf Schritt hören.«

»Ich bin heiser« sagte Jim — »aber es war auch jedenfalls ein Fisch — jetzt ist Alles wieder todtenstill.«

»Vielleicht — vielleicht auch nicht, — da ist's wieder! qui vive!« rief er dann mit lautem, kurz abgestoßenem Ton über das Wasser hinüber, »Teufel wenn Du mir da drüben nicht antwortest, schick' ich Dir eine Kugel hinüber.«

Jim hatte die rechte Hand in seiner Tasche und stand lautlos nicht zwei Schritt von dem Franzosen, er sah sich scheu und rasch um, und die linke Hand faßte wie krampfhaft das Bündel das sie trug.

»Wenn Ihr denn da drüben nicht antworten wollt, so tragt auch die Folgen« brummte der Soldat vor sich hin und spannte den Hahn — Jim stand dicht hinter ihm, seine rechte Hand hob sich und als er sie senkte rasselte das Gewehr auf den Sand nieder, und der Körper des unglücklichen Franzosen brach lautlos zusammen.

»Hast's nicht anders haben wollen« sagte der Mörder dumpf vor sich hin und beugte sich zu seinem Opfer nieder. Unwillkürlich hatte er dabei in seiner Tasche nach etwas gesucht — er zog aber die Hand wieder zurück und lächelte unheimlich: »er braucht keinen Knebel mehr; 's giebt doch nichts besseres auf der Welt als solche Schlingenkugel für derlei Arbeit — was für einen sanften Tod der Schuft gestorben ist. Aber nun Kamerad, Dein Gewehr und Patrontasche — das Seitengewehr hilft Dir auch nichts mehr, und hier oben können wir's vielleicht brauchen.«

Rasch hatte er dem Ermordeten die Waffen abgenommen, dann noch einen Augenblick nach dem Wasser hinüberhorchend zog er die Leiche unter einen Busch, wo sie wenigstens nicht vor Tag entdeckt werden konnte, griff sein Tuch und die erbeuteten Waffen auf, und glitt am Strande hin der Stelle zu wo der kleine Cutter vor Anker lag und das Floß mit den Waffen ebenfalls anlegen sollte. Den Boden stampfte er aber vor Wuth, als noch keine Spur von den versprochenen Fässern sichtbar war, und die kostbare Zeit verfloß indeß in unverantwortlichem Warten. Schon wollte er wieder zurück am Strande, ob er weiter oben Nichts erkennen könne, als ein leiser leiser Pfiff, mehr wie das Zischen eines Seevogels, vom Wasser herübertönte.