Solcher Art standen die Sachen mehrere Tage, die Französischen Kriegsschiffe fuhren ab und zu, umsegelten die Insel Tahiti einige Male, kreuzten nach Imeo hinüber, und Einzelne davon wurden sogar auf eine regelmäßige Expedition beordert, die Französische Flagge nämlich auf der Nachbargruppe der Gesellschafts-Inseln, auf Huaheine, Bola Bola, Raiatea und den anderen aufzupflanzen, ja man sprach sogar schon davon auch die, gerade unter dem Wind liegenden »Cooks-Inseln« zu denen Atiu gehörte, in Besitz zu nehmen und hie und da Garnisonen zu lassen. Doch hatten die Schiffe für jetzt eben mit der Gesellschaftsgruppe alle Hände voll zu thun, und ließen die übrigen Inseln für eine spätere und günstigere Zeit.
Indessen waren die Franzosen unendlich thätig in Papetee und der Umgegend; feste Blockhäuser zu Kasernen und Gefängnissen wurden mit einer Masse von Leuten in unglaublich kurzer Zeit gebaut, Laufgräben um die eigentliche Stadt gezogen, ein tüchtiger Damm als Brustwehr aufgeworfen, und Geschütze von den Schiffen an Land gebracht, diese, sobald sie nöthig werden sollten gegen den Feind verwenden zu können. Auch die kleine Insel im Eingang des Hafens, welche die Haupteinfahrt allerdings vollkommen überwacht, wurde mit schwerem Geschütz versehn, irgend einem doch vielleicht gefürchteten Angriff der Engländer zu begegnen, und das gerade war es was den Insulanern, durch die Europäer darauf aufmerksam gemacht, wieder neuen Muth gab, ihre Sache noch nicht verzweifelt zu glauben. Beschäftigten ihre Freunde die Beretani's — die übrigens auch hätten etwas früher kommen können — nur die Schiffe, so wollten sie dann schon mit den am Lande befindlichen Wi-Wis — mochten das auch noch so viel sein, fertig werden.
Die Stimmung gegenseitig wurde ebenfalls eine feindlichere von Tag zu Tag. Die Eingebornen mußten eine Masse Provisionen und Früchte in die Stadt liefern, die man ihnen allerdings vollkommen gut bezahlte; aber dies zwang sie zu einer ihnen fremden und unbequemen Thätigkeit, einer Thätigkeit die sie nicht einmal gern für sich selber, viel weniger für die erklärten Feinde ihres Glaubens und Landes anwenden wollten, und sie erkundigten sich vor allen Dingen bei ihren Missionairen, ob sie dazu verpflichtet wären den Französischen Soldaten Brodfrucht und Fleisch und Früchte und Fische zu Markt zu bringen.
Welche Antwort sie dort erhielten ist nicht bekannt, aber sie weigerten sich von da an die verlangten Provisionen einzuliefern, und eine Proclamation des Gouverneurs erklärte sie für Rebellen.
»Rebellen?« bah, das war Unsinn — das Wort das sie für Rebellion hatten, bezog sich auf eine Empörung gegen ihren Landesherrn und Gebieter, nicht gegen einen fremden Wi-Wi, der mit großen Schiffen kam und ihnen das Land wegnahm; denn selbst daß Einzelne ihrer Häuptlinge die Franzosen ersucht hatten sie zu beschützen konnte ihrer Meinung nach die Fremden nicht berechtigen ihre Königin abzusetzen, gegen die sie ja gar keinen Schutz verlangt hatten, und ihnen Fremde zu Richtern und Distriktsoberhäuptern zu geben. Daß die Wörter »Protektorat« und »Besitznahme« dem Französischen Admiral ähnlich genug klangen sie zu verwechseln, konnten sie nicht wissen.
Neue Forderungen des Kommandanten um Provision gingen indeß mit der scharfen Drohung ein, die ernstesten Maßregeln ergreifen zu wollen, wenn dem Befehl nicht Folge geleistet würde, und besonders sollten die Häuptlinge, als die Einzigen an die man sich möglicher Weise direkt halten konnte, für das Betragen des Volks in diesem Fall verantwortlich gemacht werden.
Auch den Missionairen wurde nochmals die, in nicht sanften Ausdrücken abgefaßte Warnung gegeben, sich nicht im Mindesten um die politischen Verhältnisse der Insel zu bekümmern, wenn sie sich nicht, im entgegengesetzten Fall, den unangenehmsten Folgen selber aussetzen wollten; ja es wurde ihnen sogar die auch bald darauf in einer Proklamation veröffentlichte Drohung verschärft in's Gedächtniß zurückgerufen, daß jeder Fremde, der gegen die jetzt bestehende Regierung sprechen würde, augenblicklich, und ohne Einspruch von irgend einer andern Seite zu gestatten, von der Insel verbannt werden würde.
Mehre der Missionaire, vielleicht ängstlicher als die Anderen, oder sich auch möglicher Weise irgend einer Aeußerung bewußt die ihnen das Mißfallen der jetzt mächtigen Franzosen zuziehen konnte, verließen Papetee und gingen theils nach Imeo theils nach Bola-Bola oder Huaheina hinüber; die meisten blieben aber auf ihrem Posten, fest entschlossen dem fremden Einfluß unverdrossen, und so viel nur irgend in ihren Kräften stand, entgegenzuarbeiten, mochten die Folgen dann ausfallen wie sie wollten.
Der neue Aufruf an die Häuptlinge veranlaßte diese wieder sich an die Königin zu wenden, und von ihr Verhaltungsmaßregeln einzuholen, was sie thun, wie sie handeln sollten. Pomare aber, obgleich keineswegs gewillt sich zu unterwerfen, war doch auch wieder durch die Flucht so vieler Missionaire und die Warnungen der Uebrigen nicht zu weit zu gehn, ehe sich England nicht entschieden hätte, zu sehr eingeschüchtert worden, und gab ausweichende Antworten, ja verwies die an sie abgesandten Häuptlinge sogar an den Consul Pritchard, und da dieser erklärte in seiner Stellung — was auch seine Privatmeinung sein möge — der Königin nicht officiell beitreten zu können, bis er Verhaltungsbefehle von London habe, an den Missionair Rowe.
Diesen aber weigerten sich die Häuptlinge (wenigstens die Mehrzahl derselben, denn Einzelne, mit Aonui an der Spitze, verlangten keinen bessern Wegweiser für ihr Verhalten) als Führer anzunehmen; Fanue vor allen Andern schwor, sie hätten lange genug unter dem Regiment der Priester gestanden, und das gerade sei ihr Fluch gewesen von je her. Er verlangte deshalb auch eine Zusammenkunft der Ersten des Volks, wo sie die Befehle ihrer Königin einholen und das Beste des Landes, das jetzt gerade ihr Zusammenstehn am Meisten fordere, berathen konnten.