»Was wollen Sie?« sagte der Consul, zwar erstaunt aber doch ruhig stehen bleibend und den Franzosen mit zusammengezogenen Brauen erwartend — »was wünschen Sie von mir?«
»Sie sind mein Gefangener, im Namen des Königs!« rief der Polizeibeamte und deutete auf die ihm folgenden Soldaten.
»Ich verstehe Sie nicht« sagte der Consul gleichgültig, und wollte sich abdrehen; der Franzose aber ergriff seinen Arm und den Soldaten winkend, die den Gefangenen an beiden Seiten umgaben, zog er den entrüsteten Mann, der gegen solche Willkür einem Englischen Consul gegenüber, protestiren wollte, rücksichtslos und ohne Weiteres fort mit sich, in das Wach- und Polizeilokal, von wo der Consul, ohne weitere Rücksicht auf sein Amt oder seine Stellung zu nehmen, bald darauf nach einem, schon allem Anschein nach für ihn bereit gehaltenen Gefängniß abgeführt wurde.
Und Papetee blieb ruhig. Die Bedeutung, die der Consul einer Europäischen Macht im Ausland haben sollte, ja gewissermaßen auch seine Unverletzlichkeit, verstanden die Insulaner nicht; der Gefangene war ihnen auch immer mehr als Missionair wie als Consul wichtig und lieb gewesen, denn Nutzen hatte er ihnen in letzterer Eigenschaft doch nicht gebracht, noch sie gegen die Uebergriffe und Forderungen der Franzosen schützen können. Daß aber die Feranis es wagten einen Mitonare einzustecken, überstieg ihre Begriffe, und jetzt zum ersten Mal fürchteten die Häuptlinge für ihre eigene Sicherheit.
Die Missionaire selber erwarteten, nachdem selbst die Consulnwürde von den Eroberern nicht geachtet wurde, das Aeußerste, und wandten sich nun in ihrer Rathlosigkeit an die arme, selbst unmächtige Königin, wandten sich an das Volk, sie zu schützen und nicht zu gestatten daß die Feranis mit ihnen machten was sie wollten.
Aber die Geduld des Volkes war noch lange nicht erschöpft, oder wenigstens seine Gleichgültigkeit, wie sein Widerwillen gegen irgend eine außergewöhnliche Anstrengung noch nicht besiegt, und zu der gehörte jedenfalls ein Krieg, zu dem sie noch immer keine richtige Veranlassung sahen. Man hatte einen Französischen Soldaten ermordet, und darüber waren die Feranis böse, schickten eine Menge Soldaten an Land, die aber für Alles bezahlten was sie verzehrten, und sperrten einen rothen Mitonare, der in Verdacht stand an dem Mord betheiligt zu sein, wie einen weißen, der besonders auf sie geschimpft hatte, ein. Das war vielleicht unrecht in ihren Augen, aber immer noch keine Ursache einen ordentlichen Krieg anzufangen; ja die Insulaner beschlossen jetzt ernstlicher als je mit der ganzen Sache nichts weiter zu thun zu haben, und wenn auch einzelne feurige Köpfe, wie besonders Fanue und ähnliche, einen Angriff auf die »Feinde ihres Vaterlandes« offen predigten, so verhielten sich doch die einflußreicheren, wie Tati und Utami, noch immer ruhig, ja Paofai und Hitoti verkehrten sogar öffentlich und auf höchst freundschaftliche Art mit den Feranis, und beschlossen deshalb auch einen günstigern Zeitpunkt, das heißt eine wirkliche Ursache abzuwarten, die Feindseligkeiten zu beginnen, und Gewalt mit Gewalt zu vertreiben — bis dahin aber sich vollkommen ruhig zu verhalten und ebensowenig die Waffen zu ergreifen, als den Eindringlingen auch noch Proviant zu liefern, ihnen das Leben hier auf der Insel so angenehm als möglich zu machen.
Lieutenant Hunt, der Befehlshaber des kleinen Kriegsschiffes Basilisk sowohl, wie der Capitain des Cormorant hatten allerdings augenblicklich gegen die an dem Englischen Consul verübte Gewaltsmaßregel protestirt, konnten aber weder seine Befreiung erwirken noch etwas an seiner Lage bessern, und Monsieur d'Aubigny erließ ein Plakat, worin Mr. Pritchard, wenigstens indirekt, der Mord der Schildwache zugesprochen, und er ebenfalls als die Ursache des trotzigen Betragens der Eingeborenen, die er täglich und täglich wieder aufgereizt habe, angesehen wurde. Seine Gefangennahme sei aus dem Grunde geschehn und er selber solle für alle weiteren Folgen verantwortlich gehalten werden.
Mit vieler Mühe gelang es endlich dem Capitain des Cormorant die Freiheit des Gefangenen, aber auch nur unter der Bedingung zu erwirken, daß er ihn an Bord seines eigenen Dampfers von Tahiti fortnahm, und sich dabei verbindlich machte ihn an keiner Insel dieser oder der Nachbargruppe wieder an Land zu setzen. Die Franzosen betrachteten diesen Mann als die einzige Ursache der nicht unbedingten und augenblicklichen Unterwerfung der Indianer, und glaubten und hofften durch seine Entfernung jedes weitere Hinderniß ihrer Festsetzung und unbestrittenen Oberherrschaft auf den Inseln, vollständig beseitigt zu haben.