»Da kommt Bruder Brower in großer Eile« rief Mr. Rowe da, der einen Blick durch das Fenster geworfen — »was wird er bringen?«

»Unheil diesem Haus« sagte Tati düster, der in den Augen Pomare's schon seine Antwort las, und nicht mit Unrecht befürchtete der zweite Mitonare würde den Ausschlag geben. Er sollte darüber nicht lange in Zweifel bleiben; mit ängstlicher Miene brach der kaum angemeldete Priester ins Zimmer, und nur einen mißtrauischen Blick auf den Häuptling werfend, dessen Parthei den Interessen Pomare's bis dahin selten freundlich gewesen, rief er aus:

»Die Noth ist groß Pomare, größer aber die Gefahr, denn soeben höre ich daß die Französische Regierung beschlossen hat Dich zu fangen und zu halten, bis zu Abschluß des Friedens. Glücklicher Weise aber war das Boot des Basilisk hier an Land — sein Officier ist von mir in Kenntniß gesetzt und liegt am Ufer, dicht hier vor dem Haus, Dich unter dem Schutz seiner Flagge sicher fortzuführen — aber der Augenblick drängt, Du hast keine Viertelstunde mehr zu Deiner Verfügung.«

»Eben so rasch entkommst Du in die Berge, Pomare« rief da Tati noch einmal, den letzten Versuch zu machen, die Königin ihrem Lande zu erhalten — »über die Straße hinüber beginnen die Guiaven, und mein Kopf bürge Dir für Deine Sicherheit.«

Pomare Tane brach in diesem Augenblick in's Gemach; es war ein junger bildschöner Mann, wohl sechs oder acht Jahr jünger als die Königin, aber mit weichen, weibischen Zügen, die Oelgetränkten Haare mit Blumen geschmückt und die Finger mit Ringen besteckt. Auch seine Züge waren jetzt angstentstellt, und die Männer nicht beachtend die im Zimmer standen rief er laut:

»Flieh Pomare, flieh — an den Bergen haben die Feranis Soldaten mit geladenen Gewehren stehn und das Volk schreit, sie kämen Dich zu fangen und zu binden.«

»Das Boot liegt am Strand, in fünf Minuten bist Du frei,« drängte da Mr. Rowe.

»Tati, Du wirst Dich an die Spitze meiner Krieger stellen« bat Pomare — »der Allmächtige wird Dir seinen Schutz verleihen und den Sieg in unsere Hände geben.«

»Verdorren soll der Finger der sich für Deine Sache regt wenn Du ihr selbst den Rücken kehrst;« — rief aber der Häuptling trotzig und finster — »Pomare — hah, was ist mir der Name? dem Vaterlande hätt' ich mein Blut geweiht, und jeden feindlichen Gedanken, jede Idee von Uneinigkeit draus fern zu halten, selbst Deinem Stamm gehorcht. Du bist aus edlem Blut entsprossen und das Land hätte, so von jedem Partheienhaß befreit, seiner Königin zugejauchzt und sich für sie mit Freuden in den Kampf geworfen — das ist vorbei, die schwarzen Männer haben Dich wieder in ihrer Gewalt und Tati ist für Dich verloren.«

Noch stand Pomare zögernd, da schallte ein kurzer Trommelwirbel, eine vorbeiziehende Patrouille vielleicht, an ihr Ohr.