Die Königin stand unschlüssig; das Herz schlug ihr heftig und ihr Blick flog ängstlich von den schönen belebten Zügen des Häuptlings nach dem bleichen Antlitz des Priesters hinüber.

»Und was wird aus Pomare Tane?« frug sie leise.

Tati biß sich die Lippe —

»Er mag mit Dir gehn« sagte er endlich leise, »aber wenn er ein Mann wäre hätte er selber schon das Schwert aufgegriffen und sein Volk zu den Waffen gerufen — oh daß Dein Vater lebte, Pomare.«

»Und was dann, wird aus den Lehrern dieses Volks, was wird aus uns und unseren Häusern?« rief der ehrwürdige Mr. Rowe. »Vertrauungsvoll sind wir an Eueren Strand gekommen, Euch den Frieden und die Liebe zu bringen, und sollen wir jetzt als Geißeln in den Händen der Feinde zurückbleiben? So lange Du unter Britischem Schutz stehst, Pomare, wird ebensowohl Dein Eigenthum hier geachtet werden, denn die Feranis fürchten unseren Stamm, mögen sie jetzt hier so trotzig auftreten wie sie wollen, einmal aber erst in die Berge geflüchtet, als erklärter Feind und mit den Waffen in der Hand, so ist nach den Gesetzen des Kriegs Alles dem verfallen, der das Feld behauptet.«

»Und denkt Ihr an Euch jetzt allein?« rief Tati zornig, »wo das Schicksal des ganzen Landes am Rande des Abgrunds steht?«

»Viel weniger an mich« — erwiederte ruhig der Missionair, »als an alle meine Brüder hier auf den Inseln, ja an das Schicksal der Mission selber, die damit ihrem gewissen Untergang entgegen zöge. Sobald Pomare jetzt offenkundig den Krieg beginnt, liegt die Vergangenheit abgeschnitten hinter ihr, und die Gewalt der Waffen allein entscheidet wer künftig und welche Religion herrschen soll. Wird sie besiegt, so ist es der Sieger, der die Bedingungen schreibt und denen sie sich fügen muß, indeß sie jetzt noch immer Englands Hülfe sich erhält, seine Vermittlung die stets nur auf Seiten der Bibel sein kann.«

»Zum Abgrund mit der Bibel!« schrie aber der im Herzen noch immer den alten Göttern zugethane Häuptling jetzt, bei dem der Zorn über den egoistischen Geistlichen die Ueberhand gewann — »es gilt hier nicht das dicke Buch, es gilt das ganze Land, es gilt hier für Pomare die Herzen ihres Volks, die jetzt noch mit ihr, doch wer weiß wie lange sind. Tati läßt auch Alles zurück was er sein eigen nennt, ebenso Utami — wir wollen uns selber, wollen unsere Ehre, unser Reich retten, mag der Feind die Brandfackel in unsere Hütten werfen und unsere Brodfruchtbäume niedermähn; die Berge tragen Feis, der Wald Orangen und Guiaven und tausend andere Früchte, und Gottes Sonne glüht und leuchtet da oben so rein und frisch, wie hier im Thal.«

»Ich will auf das Schiff gehn, Tati« sagte aber jetzt Pomare, die bis dahin unschlüssig und ängstlich gestanden — »der Mitonare hat recht; so lange ich unter Englischem Schutz bin und nicht gegen sie kämpfe, werden sie unser Eigenthum achten und nicht zerstören, und das fromme Werk der Mission, das mir von Gott überantwortet ist, wird nicht zu Grunde gehn; ich will nicht das Schwert nehmen, ich bin eine Frau und meine Kinder sollen ihre Krone nicht vergossenem Blute zu verdanken haben — wenn Andere Unrecht thun will ich nicht selber sündigen. Und auch Du Tati, schaudere vor dem Abgrund zurück an dem Du stehst, denn Du verachtest die Bibel und sie ist Deine einzige Rettung.«

»Pomare — laß uns nicht in dieser Stunde um ein Wort, um eine Meinung zanken,« bat aber der Häuptling — »schicke mich nicht fort von Dir mit solcher Antwort; noch bist Du Königin und will Dich England schützen, wird es das eher thun, wenn Du Dir Achtung von ihm erzwingst, durch Königliches Handeln, als wenn Du feige auf eines ihrer Schiffe flüchtest, von vorn herein gleich erklärend, ich bin zu schwach, ich kann nicht Königin sein.«