»Genug — genug« sagte der Häuptling abwehrend — »nicht um mit Worten zu streiten bin ich hierhergekommen; die Zeit zum Handeln ist gekommen, und Du, Pomare, sollst jetzt beweisen, ob Du würdig bist das Tahitische Volk zu regieren, wo dann Tati und alle Andern sich freudig Deiner Herrschaft beugen werden.«
»Und soll ich mit meiner Flucht solchen Beweis beginnen?« frug die Königin bitter.
»Allerdings« rief Tati rasch, »aber nicht wenn Dich die Bahn nach einem fremden Schiffe führt.«
»Und wohin denn? — wo hast Du Schutz für mich?«
»Bei Deinem Volk, Pomare!« rief der Häuptling rasch und während die Königin finster und wehmüthig mit dem Kopfe schüttelte, fuhr er von seiner Sache begeisterter, wärmer werdend, fort — »schüttle nicht so zweifelnd das Haupt, die Führer fast aller Partheien, die sich vereinigt haben in der gemeinsamen Noth des Landes senden mich, und rufen, ja fordern Dich auf, ihrem Schutze Dich anzuvertrauen und mit ihnen in die Berge zu ziehn. Dort pflanzen wir die eigene Fahne auf, und Tod den Feinden, wenn sie es wagen sollten uns dorthin zu folgen, wo wir uns fest und freudig um Dich geschaart.«
»Nur bei dem Versuch in die Berge zu entkommen« warf hier kopfschüttelnd der Geistliche ein — »wäre Pomare fast der gewissen Gefahr ausgesetzt, von den Feranis angehalten und gefangen zu werden. Sie würden es nimmer dulden etwas geschehn zu lassen, was ihnen die Eingebornen zu so viel gefährlicheren Feinden machen müßte.«
»Gefahr und Dulden!« rief der Häuptling, mit dem Fuße stampfend, »ein einzig Zeichen durch die Stadt von mir und fast drei Viertel der Bewohner schaaren sich mit einem Jubelschrei um ihre Königin. Laßt das Volk wissen daß Tati und Utami, Hitoti und Paraita mit Pomaren sind, und kein Arm der noch einen Bogen spannen und einen Speer schleudern kann, bleibt daheim, das Ende schmachvoll abzuwarten. Nein Pomare, nicht Furcht jetzt, nicht Gefahr, darf Dich abhalten davon, Dich an die Spitze Deines Volks zu stellen. Die Fremden haben jetzt deutlich genug gezeigt was ihre Absicht ist, und uns bleibt keine andere Wahl, als Unterwerfung oder Kampf.«
»Uns bleibt die Wahl Britischen Schutz zu suchen« rief der Missionair, neben Pomare tretend, »uns bleibt der Schutz der Bibel und wenn auch spät, die Hülfe bleibt nicht aus; so langsam sie kommt, so sicher wird sie kommen.«
Tati wollte heftig gegen den Priester auffahren; aber er bezwang sich, er fühlte die Wichtigkeit dieser Stunde und sagte ernst und ruhig:
»Pomare, der Augenblick ist gekommen, wo Du zu wählen hast zwischen Deinem Volk und den Fremden, zwischen Deiner eigenen Herrschaft oder der, Beretanischer oder Feranischer Priester; — gieb Dich wieder in ihre Hände, und Deine Macht ist gebrochen für ewige Zeiten — wirf sie von Dir, und wir erkämpfen Dir die Freiheit oder uns Allen einen ehrenvollen Tod. Sieh, daß die Häuptlinge mich senden, mag Dir ein Beweis sein wie wir denken — jeder Partheistreit sei vergessen, jeder kleinliche Gedanke an Eigennutz zerstört, das Vaterland ist in Gefahr und wie der fremde Ferani schlau und tückisch seinen Vortheil zog aus dem Zwiespalt der Partheien, so pflanze die eine Macht jetzt siegreich ihr Banner auf in den Bergen.«