»Wohin die Mutter geht, gehn sie auch, und Capitain Hunt ist ein Gentleman, der sich glücklich schätzen wird einer armen verrathenen Frau und Königin Schutz mit den ihren zu gewähren.«

Pomare ging, die Hände krampfhaft gefaltet, das Haupt gesenkt, mit raschen Schritten im Zimmer auf und ab, als draußen Stimmen laut wurden und gleich darauf Eine der Einanas den Häuptling Tati meldete, der Pomare dringend zu sprechen wünsche.

»Tati?« rief Pomare, erstaunt vor dem Mädchen stehn bleibend — »Tati? was will er von mir in jetziger Zeit? oder haben ihn die Feranis geschickt, seine Königin abzuholen ins Gefängniß — send' ihn fort, er gehört zum Feind; Pomare will ihn nicht sprechen.«

»Wenn der Feind Dein Vaterland ist, Pomare, dann hast Du recht« sprach in diesem Augenblick die tiefe klangvolle Stimme des Häuptlings, der dem Mädchen auf dem Fuß gefolgt, und auf der Schwelle stehn geblieben war, bis seine Ankunft gemeldet worden — »schicke mich nicht noch einmal fort von Dir, denn ich bringe ein Freundeswort.«

»Schickt Dich der Ferani?« frug die Königin, ihn mit einem finstern Blick betrachtend — »haben sie Dir wieder neue Versprechungen gemacht, oder soll ich vielleicht noch einen Vertrag unterzeichnen, der mir auch die Füße bindet, wie der erste die Hände, und mich hier hält in ihren bewaffneten Häusern, als Geißel für die Unterwürfigkeit meines armen Volkes?«

Tati zog die Brauen finster zusammen und sein Blick suchte den Missionair, als ob er dort den Grund solcher harten Anklage vermuthe, aber das gute Element in ihm gewann die Oberhand und mit ruhiger fast herzlicher Stimme sagte er:

»Du hast Grund uns zu zürnen, Pomare, denn wenn auch absichtslos, gaben wir dem Ferani den Halt an dieses Land, den er jetzt benutzt, es zum Abgrund niederzureißen, aber vielleicht bin ich im Stande Dir heute zu beweisen daß es Tati redlich mit Tahiti, redlich mit Dir meint, und kleinliche Eifersucht seinem Herzen fremd ist, in der Stunde der Noth. Du bist in Gefahr und mußt Papetee verlassen.«

»Ich weiß es, ich weiß es« rief Pomare schnell — »der ehrwürdige Mann hier hat mich schon gewarnt, und das Schiff der Beretanis wird mich und die Meinen aufnehmen, ehe ich mich den Feranis gefangen gebe.«

»Das Schiff der Beretanis?« rief Tati, fast ebenso sehr erschreckt als erstaunt — »und was hast Du bei den Beretanis zu thun? sind sie nicht Fremde, so gut als Jene? O Pomare, wann wirst Du aufhören Dich auf Fremde zu verlassen?«

»Der Häuptling Tati spricht, als ob unsere Nation dem Tahitischen Stamme je noch feindlich gewesen wäre« sagte der Missionair, »ich dächte wir hätten bewiesen, daß wir unsere Tahitischen Brüder lieben.«