»Vor einer Stunde etwa« nahm der Geistliche wieder das Wort, »bin ich gewarnt worden, daß die Feranis, böse über Deinen Brief den Du an die Häuptlinge geschrieben, Dich ebenso wollten gefangen nehmen und in Gewahrsam halten, wie Terate und die Andern, damit Du die Eingebornen nicht aufwiegeln könntest gegen sie. Die wahnsinnigen Menschen behaupten jetzt die rechtmäßigen Eigenthümer Tahitis zu sein, und erklären uns selber für Rebellen wenn wir gegen sie reden.«
Ein zorniges Lächeln flog über Pomares Züge, als sie die Worte hörte und sie antwortete finster:
»Mich gefangen nehmen? und wo bleiben jetzt Euere Schiffe? wo die Kanonen die Ihr mir zu meinem Schutz verspracht? — Euere Kriegsschiffe haben, ein kleines Schiff ausgenommen, die Bai verlassen, Euer Consul ist gefangen, Euere Fahne verschwunden — wo bleiben Euere Predigten, Euere Worte? Als ich Sandelholz hatte und Cocosöl, da war ich Königin, da kamen die Capitaine und sprachen schöne Worte und brachten Geschenke — jetzt da ich arm und verlassen bin, kommt Niemand mich zu unterstützen. Und wohin soll ich fliehen?«
»Es liegt ein Englisches Kriegsschiff im Hafen das Dich aufnehmen wird, und unter Englischer Flagge bist Du sicher« rief der Missionair.
»An Bord eines fremden Schiffes? nie« — zürnte die Königin, »wär' ich nicht dort Gefangene wie da?«
»Und doch ist es das Einzige« seufzte der Missionair — »dorthin reicht der Arm der Feranis nicht, und wer weiß ob Du heut Abend selbst noch zu dem Schritt Raum und Zeit behältst.«
»Ich kann mich nicht allein in den Schutz der fremden Männer geben« sagte Pomare, doch jetzt unruhig werdend über den besorgten Ernst des sonst ihr so freundlich gesinnten Mannes — »ich kann nicht allein an Bord eines Kriegsschiffs fliehn.«
»Dein Gatte und zwei Deiner Einanas müssen Dich begleiten« sagte Mr. Rowe, »Pomare Tane[I] ist ja von Imeo zurückgekehrt, und wird sich nicht weigern Dir an Bord zu folgen.«
[I] Der Gemahl Pomare's geht unter dem Titel »Pomare's Mann.«
»Weigern?« sagte die Königin zürnend, und ein verächtliches Lächeln spielte um ihre Lippen — »aber meine Kinder? — was würde aus denen?«