»Es ist auch keine Zeit mehr zu verlieren, Pomare,« erwiederte der Priester ernst — »Du weißt was die Feranis mit Piritati gemacht haben.«

»Piritati war ein Beretani« rief die Königin schnell — »er gehörte nicht in dieses Land — sie konnten das wagen — sie dürfen nicht Hand an Pomare legen.«

»Dürfen?« sagte Mr. Rowe achselzuckend — »wir sind ein friedliches Volk und können uns nicht zur Wehr setzen.«

»Und wessen Schuld ist das?« frug die Königin rasch und mit einem Zornesblick im Auge — »wer anders als Ihr, die Ihr uns von England die Religion gebracht habt, die Ihr eine Religion der Liebe nennt, und die jetzt Haß und Tod unter mein Volk bringt, wer anders hat den Bewohnern dieser Inseln ihre alten Kriegsspiele verboten, und die Führung der Waffen für sündhaft erklärt? wer eiferte früher dagegen, daß meine jungen Leute ihr Cocosöl und ihre Perlmutterschalen gegen Gewehre und Pulver eintauschen sollten wie es mein und ihr Wunsch war, und erklärte es gegen Gottes Gebote, während Ihr Oel und Muscheln für Eure eigenen Zwecke sammeltet und nach Beretani schicktet?«

»Es geschah das um Gottes Wort auch auf andern Inseln zu verbreiten — auch andern Völkern den Segen der christlichen Religion zu bringen« sagte mit milder freundlicher Stimme der Geistliche.

»Ich habe das gute Buch durchgelesen von Anfang bis Ende« erwiederte die Königin finster — »und nirgends darin gefunden daß Jesus Christus gesammelt hat für andere Völker.«

»Damals war es noch nicht nöthig, Pomare« erwiederte Mr. Rowe, etwas verlegen — »und nicht wohl ist es gethan, das Schwert zu nehmen, denn Jesus selber hat gesagt, »wer das Schwert nimmt, der soll durch's Schwert umkommen.«

»Geh, geh!« sagte aber Pomare traurig mit dem Kopf schüttelnd — »Du hast für Alles einen Vers aus Deinem Buch und die Beretanis, die Du sagst daß sie gute Christen wären fahren eben so mit Kriegs-Canoes auf der See herum wie die Feranis, sie nehmen das Schwert und sie kommen nicht um, und ich habe das Schwert nicht genommen und verliere mein Reich — Was willst Du jetzt von mir? — was soll ich thun? — gehe zurück zu Deinen Landsleuten und sage ihnen daß ich Euch hier nicht mehr schützen kann. Ich danke ihnen daß sie mir die Bibel gesandt, aber mein Volk ist zerstreut, meine Macht ist gebrochen — wenn ich wieder Königin bin, will ich Euch wieder in mein Land nehmen.«

»Nicht meinethalben kam ich hierher, Pomare« sagte aber der Geistliche ernst, »nicht für mich Schutz oder Hülfe zu erbitten von Dir, Du schwergeprüfte Königin, sondern Dich selber wollt' ich warnen, Dich einer Gefahr zu entziehn, die über Deinem Haupte schwebt, und Dich in der nächsten Stunde schon vielleicht erreichen kann.«

»So sprich!« rief Pomare, »schon seit Du das Zimmer betreten, sehe ich Dein Unheilkündendes Gesicht, und mein Herz ist von Angst erfüllt — was ist es?«