Zwischen den Frauen waren drei reizende junge Mädchen, zwei von Tairabu, und eine, ein Gast in ihrer Mitte von Papetee, und auf feingeflochtene reinliche Matten gelehnt, ihre Hände in denen der beiden Jungfrauen, die sich lächelnd zu ihr hinüberneigten, erzählte die Fremde den Freundinnen von der Stadt an der andern Seite der Insel, von den frechen Wi-Wis die ihre Waffen und Kanonen an Land geschafft, und die Herren sein wollten der ganzen Insel, aber mehr noch von ihren komischen Sitten und Gebräuchen, von ihren großen Bärten und heißen Kleidern, von der wunderlichen Sprache — wie oft und schnell hintereinander sie das Wi-Wi sprächen, das ihnen den Namen gegeben, und wie sie — fuhr die Jungfrau leise und schüchtern fort, den Mädchen nachstellten und ihnen stets von ewiger Liebe sprächen, und sie dann wieder verließen wo sie ein anderes junges Gesicht gesehn.
Es war ein liebliches zauberschönes Bild, diese drei jungen Kinder der Insel mit den blitzenden sprechenden Augen und üppigen Formen, denen die Bronzefarbe der Haut nur womöglich einen noch höheren Reiz verlieh. Und dicht hinter ihnen saß ein alter Mann, in seinen Tapamantel eingeschlagen, und an den Stamm an einer hochwüchsigen mit goldgelben Früchten dicht umschlossenen Papaya gelehnt, finster vor sich niederbrütend, und doch dabei dem Schwatzen des holden Mädchens lauschend. Es war der alte trotzige Häuptling Fanue, dem das heiße Blut die Zornesader an der Stirn hoch aufschwellte, als er den Uebermuth der frechen Fremden von rosigen Lippen lachend bestätigt hörte, und der die Faust fest unter dem Mantel ballte wenn er daran dachte, wie sie die Schmach schon so lange ertragen, und immer und immer noch nicht losgeschlagen hätten in das Herz des Feindes hinein.
Lautes Geräusch, Rufen und Lachen, fremde Stimmen und Worte tönten zu ihnen von unten herauf, und ein junger Bursch kam gesprungen der die Nachricht brachte, die gelandeten Wi-Wis stiegen auch jetzt, die Mädchen neckend und die Männer ärgernd, bis zu ihnen herauf.
»Die Wi-Wis« — die Mädchen drängten sich neugierig vor, ob sie nicht irgend wo auf dem freien Pfad eine der feindlichen wunderlichen Gestalten erkennen könnten, schüchtern aber dabei und bereit zu augenblicklicher Flucht, wenn das wirklich der Fall gewesen wäre. Trommeln wirbelten indessen unten im Thal, aber nicht der bekannte fröhliche Laut zum jubelnden Tanz, sondern in kurz abgebrochenem schroffen Takt, und Hörner und Trompeten klangen herauf die von der munteren Soldateska mit herüber genommen waren die Herzen der Hörer zu gewinnen.
Fester Tritt und lautes Lachen schallte da näher und deutlicher zu ihnen herüber, und unten am Hang, in den Gärten schon wo die Reihen sorgfältig gepflanzter Bananen und süßer Kartoffeln standen, wurden die bunten Uniformen der Fremden sichtbar, die an den Fruchtbäumen, wenig sich um den Eigenthümer kümmernd, herumgingen, reife Früchte zu suchen und zu pflücken.
Die Mädchen welche aufgesprungen waren und rasch mit einander geflüstert hatten, wollten fliehen, aber Fanue's finstres Wort hielt sie zurück. Was hatten sie zu fürchten an seiner Hütte? glaubten sie daß der Fremde es wagen dürfe, einen der Seinen ungestraft zu beleidigen? Die Mädchen schämten sich ihrer Furcht und nahmen ihren alten Sitz auf der Matte ein, nur die Fremde wollte nicht bei ihnen bleiben, und sie faßten sie endlich halb mit Bitten halb mit Gewalt an ihrem Kleid, und zogen sie wieder zu sich nieder. Es war ihnen selber so schon nicht recht daß sie dableiben mußten, und nun wollte das Mädchen von Papetee sie auch noch dazu allein lassen — das ging unter keiner Bedingung an.
Die Franzosen, von denen einige mit ihren Seitengewehren bewaffnet waren, drei oder vier sogar ihre schweren Musketen trugen, andere jedoch in die leichte Tracht der Europäer auf den Inseln, weite Hosen und Jacken und breiträndigen Strohhut gekleidet gingen, kamen indeß näher und näher und steuerten, als sie die bunten Kleider der Mädchen vor dem Haus erkannten, gerade auf die kleine hier befindliche Gruppe zu.
Die Männer oben hörten dabei auf zu singen, und blickten finster auf die ungebetenen Gäste, die hier die Heiligkeit des Sabbath sowohl wie des eigenen Hauses störten, und die Mädchen rückten enger zusammen, und flüsterten ängstlich miteinander, denn die Feranis kamen gerade auf sie zu, und blieben lachend und plaudernd vor ihnen stehen. Sie wagten nicht einmal zu ihnen aufzuschaun. Nur der alte Fanue verharrte, die Arme fest auf der Brust gekreuzt, in seiner Stellung, und sah die Fremden ernst und fragend an.
»Hallo Waihine's!« rief da der Eine der Franzosen in ihrer Sprache — »auf mit den Köpfchen, was haltet Ihr das Kinn auf der Brust und das Näschen im Schultertuch — aufgeschaut Dirnen und laßt ein vernünftig Wort mit Euch reden. — Vor Allem sollt Ihr mir eine Frage beantworten, und ich weiß Ihr könnt, wenn Ihr wollt.«
Die beiden Töchter Fanue's wandten ihr Antlitz trotzig ab, und nur die Fremde senkte ihr Köpfchen tiefer und tiefer, und glühendes Roth schoß ihr über Wange und Stirn und färbte ihr den Nacken selbst bis unter das Oberkleid. Der alte Fanue aber, die Verlegenheit der Mädchen bemerkend und kaum noch im Stand den Zorn zurückzuzwingen der in ihm kochte und gährte, sagte finster, die Feinde seines Vaterlandes mit den Augen messend: